Startseite
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt

Webnews



http://myblog.de/jlt.morizuka

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
  Abfahrt Donnerstag abend nach Skill – eigentlich hatte ich erwartet, noch mal zurückgekommen. Dann über Nacht in Santa Maria, die nächste Nacht in Gramado (der kältesten Stadt in Brasilien) – ich habe immer noch Muskelkater von diesen 927 Stufen runter und wieder hoch, Wasserfall anschauen. Aber mein sportlicher Ehrgeiz bringt mich zu solchen sinn- und fettfreien Dummheiten. Vielleicht ist es übertrieben (she’s fat not crazy), aber es macht Spass. Der Muskelkater natürlich nicht. Der macht, dass man keine Treppen steigen kann. Aber dann weiter nach Porto Alegre. Das ist die Landeshauptstadt von Rio Grande do Sul, etwa so wie für uns München, aber etwa viermal so groß (ich kann wieder scharfe ßs schreiben!). Und sehr schön! Zwar städtisch, mit Hochhäusern in der Innenstadt (wie ich mir die Downtown von Memphis vorgestellt hätte) und Menschen, die für ein paar Centavos lauter Autos in (ich habe gerade erfahren: der Med [wie auch immer er seinen Namen schreibt, ich schreibe ihn so] fährt immer noch den Bus! Und heißt immer noch Alfons. Natürlich, natürlich, aber er fragt immer noch die kleinen Schüler. Was für ein Wunder.) Lücken am Straßenrand winken, aber grün und irgendwie einladend. Ein Park in der Mitte der Stadt mit lauter Fußballplätzen und Laufrunden. Einfach so, für die ganzen Sonntag-früh-Sportler in der Hitze. Und außenherum Marktstände und noch mehr, die die seltsamsten Dinge verkaufen. Straßendemonstrationen – die silent monks waren mir viel lieber als irgendeine Trommelfront – und eine Capoeira-Vorführung. Meine  Begeisterung für diesen Sport hält sich übrigens in Grenzen. Mag ja schön aussehen, aber da ist mir zu viel Tanz dabei. Und das ist nicht meins. Wie auch immer, ich habe viele Capoeira-Fotos gemacht. Als wir wieder ins Haus von ihrem Onkel (der übrigens Nachfahre und abermillionster Spross einer vor einhundertachtzig Jahren aus Deutschland eingewanderten Familie ist) und ihrer Tante gekommen sind, war Deutschland schon Weltmeister. Frauenfußball! Rê hat es mir gegenüber nicht erwähnt, während sie mir vorher alle zehn Minuten versichert hat, Deutschland hätte keinen Chance gegen Marta. Das war schon genug Enttäuschung präsentiert. Campao do Mundo (oder so ähnlich)!
Wenige Stunden später haben sie mich zum Flughafen gebracht. Und ich wollte nicht weg. Dort ist es viel schöner als in Deutschland! Dieses verschmutzte Land, wo man sich ständig verboten vorkommt. ...
Also, jetzt ist alles zu Ende (auch wenn ich mich zu meiner Verwunderung nur schwer an die deutsche Tastatur gewöhnen kann – ich verwechsele z und y). Alles ist wieder ganz normal und nichts hat sich verändert. Der Flug war schon gut, auch wenn der Schildermangel für einen Deutschen schon etwas verwirrend ist. Und die Tatsache, dass niemand Englisch spricht (dabei nennt sich Congonhas „internationaler Flughafen“ ). Aber ich habe schliesslich doch den Bus vom Flughafentransfer gefunden, der mich durch die 20-Millionen-Metropole nach Guarulhos transportiert hat. Durch die Lichter und die Dämmerung. Mit schwarzem Fluss und favellas. Einchecken – und diesem mehr oder weniger (eines der meistbenutzten Wörter in Brasilien, glaube ich) freundlichen Mädchen vor dem VARIG-Schalter fünf Minuten lang versichert, dass mein Gepäck nicht unbeaufsichtigt war, seit ich ihn gepackt habe sowie ich nichts von irgendjemandem mitnehme. Wo sind sie, die Terroristen?! Sogar mit Fensterplatz. Ich habe beschlossen, mich nicht an der (ungelogen!) mindestens zweihundert Meter langen und sich durch den ganzen Terminal windenden Schlange von ins Ausland reisewilligen Leuten anzustellen und stattdessen den Flieger noch zu erwischen.
Am Dock mussten wir etwa fünfundvierzig Minuten warten, und als wir endlich der American-Maschine folgen konnten und weggekommen sind, sind wir noch mal lange auf der Rollbahn gestanden. Aber dann – tchao, America do Sul. Die Riesenstadt bei Nacht. Bis Frankfurt war die Verspätung fast aufgeholt.
Mal im Ernst – wenn jemand Chancen für Austausch bekommt, sollte er weg. Auch wenn sich hier und dort einiges verändert, kann es eher gut als schlecht sein.
Irgendwann mehr. Aber jetzt nicht.
1.10.07 21:02


Dieses wird most likely er letzte Eintrag von der südlichen Hemisphäre. Ich habe Santiago bereits verlassen und sitze wieder an Sis Computer, während über mir John Stamos (Full House hat mich verpasst) in irgendeiner Fernsehserie, die in den USA und Brasilien sehr berühmt ist, spielt. Und ich habe keine Ahnung, wie lange noch.

Ach ja, Barbara: das letzte Mal waren es noch 120 Minuten, die wir laufen wollten, aber angesichts meiner miesen Kondition sowie meiner nicht vorhandenen Lauflust sollte ich da nicht so genau sein. Ich will das ausprobieren. Ausserdem täte ich nichts lieber, als dir mal beim Training mit deinen kleinen Schützlingen zuzusehen.

Und Lisa: ja, es waren schon die Iguaçú-Fälle. Und das Wasser geht halt abwärts. Ziemlich eindrucksvoll.

Nach vielen Schulen und viel Präsentieren und Autogramme-Geben bin ich wieder auf sicherem Boden. Und war heute mit Kaká (eine von Rês Cousinen) in der Schule. Ihre Schule ist viel normaler als Rês. Eine öffentliche, vielleicht etwas alt und dreckig, viel ähnlicher den deutschen Schulen, die ich bisher besucht habe. Und ich wurde über deutschen Metal ausgefragt und über eine angeblich deutsche Band namens "Lacrimosa" oder so ähnlich. Falls jemand das in seinem mit "Lacrimosa"-Postern zugeklebten Zimmer liest und empört aufschreit, ist mir das egal. Denn ich kriege es ja nicht mit. Aber ich höre mir gerne neue Bands an. Obwohl mir unbegreiflich ist, wie ihr das schafft, euch mit soviel zu bedröhnen, ständig was neues sehen, hören und beurteilen.

Oh Mann, ich habe vorhin Barbaras letzte Amerika-Einträge gesehen. Gelesen eben. Das war eine Zeit. Und schon ein ganzes Jahr her. Und wenn ich zuhause bin, ist Schule. Meinen Stundenplan habe ich schon seit dem letzten Schultag. Montags erst zur zweiten, insgesamt nur drei Stunden, die ich wunderbar dauerschwänzen könnte, wenn nicht zwei davon Physik und Geschichte wären. Meine Lieblingsfächer! [Wenn ich mir die Berühmten der Welt ansehe, will ich nicht berühmt sein. Wie aufgeblasen wir alle sind. Und dabei sowas von hässlich und unansehnlich, unnötig. Da regen sich Mütter auf, wenn ihre kleinen Kinder wie die Tiere essen. Aber habt ihr schon mal bewusst einem Menschen beim Essen zugesehen? Da wünscht man sich doch, man wäre ...] Also entweder alles anschauen und lernen oder jeden Montag für viele Stunden mich im eiskalten KZ langweilen. Wohl eher ersteres. Oder was ganz anderes. Was soll ich jetzt mit unserem hohem Schulabschluss, wenn ich das, wovon das unterstützt und proklamiert wird, abstossend finde? Ich könnte noch ewig in die Schule gehen.

Ich hoffe jedenfalls, ich finde in der 20-Millionen-Stadt dorthin, wo ich hinsollte. Denn São Paulo hat zwei riesige Flughafen; auf dem einen komme ich an und vom anderen muss ich weg. Durch die Rush Hour in 2 Stunden ...! Schon ziemlich gross. Aber wenn es klappt, komme ich zurück und bleibe nicht länger, Mama. Warum .?

Und ich habe noch nie zuvor den Santa-Monica-Link gesehen. Mehr wenn ich wieder da bin. Gestern noch hier, heute da ... aber ohne Emotion. Und ich weiss nicht warum? Es ist doch schon etwas, wenn man für eine Zeit wo lebt und dann dorthin zurückkehren sich auf dem Weg macht, wo man noch viel länger gelebt hat. Wahrscheinlich kann ich keinen Satz Latein mehr übersezten. Da fällt mir ein, Bomhardschüler: ihr habt ja immer nocht den EnglischLK. Und ich, hm, einen viel besseren. Aber Brasilien gefällt mir schon besser als in Deutschland. Ist halt doch echter.

Vielleicht schreibe ich nicht mehr hierhin mit diesen verschobenen Tastaturen. Morgen wollen wir nach Gramado, Tourist spielen, und am Samstag nach Porto Alegre.

28.9.07 04:43


Hm, ein neuer Eintrag, denn mein Brasilien-Aufenthalt geht langsam, aber sicher zu Ende (diese phrase ‘langsam, aber sicher’, woher erscheint mir das so vertraut? Klingt fast wie das permanente ‚last but not least’ vom Knörr, von dem ich bis heute nicht weiss, was er damit in der Englischstunde von uns wollte). Leider nicht so lange, denn Rê droht, sie muss lernen für einen schweren Chemie-Test morgen (wofür sie um 4 Uhr aufsteht, um dann um halb fünf Uhr mit den vielen Kannen Kaffee anzufangen und um 5 Uhr schliesslich mit dem Lernen, wie sie mir gerade im Hintergrund erklärt, während sie ihre Decke zusammenfaltet und ich hier schreibe. Und sie lässt dafür sogar die letzte Baile-Gelegenheit sausen. Denn heute ist die letzte traditionelle Gaúcho-Party, die es normalerweise nur in der Farropilha week gibt [so heisst jedenfalls zwischen mir und Rê die Woche, in der man seinen Staat feiert; die Leute hier nennen das wohl Semana Farropilha. Ja. Das sieht schon viel authentischer aus. Ausserdem fällt mir auf, dass mein Deutsch schon richtig schwerfällig wird. Nicht nur in den Fingern.], dieses Jahr aber noch 5 Tage länger, also bis heute nacht. Mehr dazu später.). Ich vermute ja, der Lehrer (der übrigens ziemlich gut ist, aber auf eine seltsame Weise) hat diesen nur angekündigt, um die streitlustigen Furien in der Klasse davon abzulenken, ein Mädchen zu traktieren, das heulend rausgelaufen war. Auslöser war irgendeine Vestibular (Universitäts-Eintritts-Test, aber mit Abi-Wichtigkeit-Status) –Informationsveranstaltung, auf der nur 5 aus der ganzen Klasse (einschliesslich MIR!) anwesend waren, während die anderen kurzerhand nach Hause gegangen sind. [Allerdings haben 4 (einschliesslich mir) das Weite gesucht, nachdem der Universitätsheini den Philosophie- bzw. Ethik-Vortrag den anderen zu langweilig, mir dagegen interessant, aber nur teilweise verständlich, rübergebracht hat. Dummerweise hatte ich das Rotary-Meeting am selben Abend vergessen, auf der die Organisatorin dieses Vortrages anwesend sein würde, die mich schon beim Aufstehen mit einem etwas empörten Blick bedacht hatte. Rê ist jedenfalls geblieben.] Wie auch immer, die streiten hier mit einer Lautstärke ...! Und nach dem, was ich dank meines sich allmählich vergrössernden portugiesischen Wortschatzes mitbekommen habe, auf ziemlich gemeine Weise. Und rauchen Papier-Zigaretten im Klassenzimmer („Wie die kleenen Kinner!&ldquo. Wie auch immer, wir gehen nicht auf den Ball, sondern sie lernt fleissig hinter mir.

 

Nun doch der Reihe nach. Am Dienstag abend waren wir, wie ich mich erinnere, zum Essen eingeladen, und die Leute haben mich unser Haus bei Google-Earth ranzoomen lassen. Sehr aufschlussreich, zumal das Bild immer noch dieses kraterartige Loch in unserem Garten zeigt (nicht mehr existent seit dem 21.06.04!). Mittwoch zuerst bei Karatê, dann gleich zum Abendessen mit einer kürzlich angekommen Verwandten/Bekannten/wasauchimmer, und noch später auf den Gaúcho-Ball. Als internationaler Botschafter der reichen Leute muss ich wenigestens ein Muster erfüllen. Am Anfang war’s nicht toll, aber ich hab einige nette Leute getroffen. Und diese Bälle (?) sind richtig traditionell und gefallen trotzdem den meisten. Die meisten Jungs tragen richtige Nationalkostüme; weite Hosen mit hohen Stiefeln und Hemden und manchmal Hüten. Ein bisschen wie Cowboys. Ich nehme an, der Lisa würde es in Brasilien gut gefallen. Dafür haben mir die Jungs gefallen. Dort wird auch zu richtiger Volksmusik getanzt. Sie gefällt mir; ziemlich ähnlich zu den Klostertaler Dreckspatzen, nur besser. Wahrscheinlich durch den Abstand, da man als Ausländer nicht von klein auf damit gequält wurde. Allerdings ist es den Jungs nicht gelungen, mir das Tanzen beizubringen. Das ist und bleibt einfach nicht mein Sport. Da haben auch die endlosen Tanzstunden (furchtbare Erinnerungen an Hesse & Mutti. Ach übrigens: war das eigentlich wirklich seine Mutti? Oder war das nur wieder unübersehbare Ironie, die ich übersehen habe?) nichts gebracht. Aber einer von ihnen draussen hat Englisch gesprochen (und sah aus wie Ringo und Joe. Ein bisschen Indianer) und die anderen ein bisschen, und ich ein bisschen Portugiesisch, und da ging das schon. Sehr cool. In Kleinstädten wie dieser bleibt aber auch nichts geheim.

 

Schliesslich mussten wir gehen, denn es war 5 Uhr – und um sechs mussten wir weg, auf den Weg nach Foz do Iguaçú. Das war eine Geschichte. Ich komme raus aus dem Haus, und da wartet eine ganze Autokolonne auf uns. 2 andere Familien und Mario mit seiner Freundin hatten sich kurz entschlossen, uns zu begleiten.

 

Ah, Argentina! Ich liebe dieses Land. Und trotzdem habe ich es nicht geschafft, eine Flagge aufzutreiben. Nach langen Stunden der Fahrt waren wir schliesslich angekommen und nach einer weiteren Dreiviertelstunde Fussmarsch über kilometerlange zerbrechliche Stege mit breiten Ausläufern des Riu Paraná (oder welchen reissenden Flusses auch immer) unter uns. Wir haben sogar einen Alligator gesehen und exotische Fische. Und dort gab es die lustigsten Schilder, die man sich vorstellen kann. Aber ich habe Bilder gemacht. Da kann man fast auf die Idee kommen, Touristen seien dumm. Schliesslich sind wir an ein Loch gekommen, wo das Wasser einfach runterfällt. Aah, Wasser, água, aqua, eau. Kann es etwas Besseres auf dieser Welt geben? Das ist ES.

 

Am nächsten Tag noch die rie(s)sige Staudamm-Konstruktion Itaipú gesehen. Sehr beeindruckend. Ausserdem in Paraguay einkaufen. Leider haben sie sich nur in einen grossen Store getraut, nicht in die Strassen. Denn Paraguay, einst ein reiche und aufstrebende Siedlung und deshalb von den umringenden immer noch von Kolonisten beherrschten Ländern im vorletzten Jahrhundert quasi dem Erdboden gleich gemacht, ist heute arm, sehr arm. Richtig perspektivenlos, wie in diesen Kinderdörfer-Prospekten. Am Ende. Auch hier Konsum-Tourismus.

 

Am Abend Bowling. Obwohl ich meinerseits ja Tontaubenschiessen bevorzuge (Achtung, Insider!, haha), habe ich Rê besiegt. Und doch hatte sie verdammtes Glück, denn die Kugel so auf die Bahn zu werfen ... hm, vielleicht tue ich ihr und ihren durch jahrelanges Training erworbenen Bowling-Kenntnissen damit Unrecht. Schliesslich habe ich das zuvor genau einmal gemacht.

 

Samstag früh nach Hause aufgebrochen (nach zweinächtiger einmaliger Aussicht vom Hotel-Balkon. Was für eine Skyline.) und 8 Stunden später angekommen. Ich glaube, ich kenne sämtliche Grenzbeamten in Argentinien. Mehr wenn ich zuhause bin. Das gehört nicht sichtbar. Und Uniformen. Und abends noch bei Kaká und Rafa (ihren Cousinen). Und dann war Frühling ...!

 

Sonntag dasselbe. Den Tag nicht auf dem Land verbracht, dass es aus Eimern geregnet hat. Am Abend Rafa und ihren Freund zur Busstation (alle fahren hier Bus, denn die Züge verkehren hier nicht. Ich kann dafür kein Wort finden) gebracht. Sie sind studieren gegangen. Aber diese südamerikanische Busstation mit der Kälte aussen und den Leuten, die sich darin um einen Bus drängen, der gleich abfährt, hat mich an diesen Film erinnert, mit Josué, dem kleinen Jungen, und der hässlichen alten Frau, die sich dann um ihn gekümmert hat, den ich in irgendeiner Nacht mal gesehen habe. Aber ich weiss noch genau, was ich währenddessen gezeichnet habe. Warum sie das getan hat, weiss ich nicht; aber sie sind ständig Bus gefahren durch weites Land in Amerika. Aber er hat, glaube ich, seinen Vater gesucht. Irgendwann Abendessem zuhause.

 

Montag ein weiteres Rotary-Meeting. Die Frau vom Nachmittag hat es mir doch nicht so übel genommen, wie ich angenommen hatte. Viele Fotos und Shows und Verabschiedungen und Reden und aufs-Essen-warten und Einladungen.

 

Heute morgen waren wir in einer Schule, um uns wieder einmal vorzustellen. Ich bin darin langsam richtig gut. Es ist wie bis zehn zählen. Und beim Rausgehen wollten die Kinder bis Jugenlichen alle Fotos mit mir machen. Und damit nicht genug: plötzlich hält mir ein Mädchen Zettel und Stift in die Hände und bittet mich um ein Autogramm. Die anderen haben sich gleich angeschlossen. Jetzt weiss ich, wie man sich fühlt, und verstehe, warum Stars, die ihren Fans bereitwillig so viele Autogramme geben, wie sie wollen, so gelobt werden. Krampf-in-der-Hand! Nicht zu fassen. Um es auf Portugiesisch auszudrücken: sou famosa! Endlich!

 

Nachmittags in der Schule, von dem ich schon erzählt habe. Und ich könnte schon anfangen zu packen, denn am Donnerstag abend (morgen!) gehen wir in Santa Maria Si besuchen, und da es auf dem Weg nach Gramado, das wiederum auf dem Weg nach Porto Alegre liegt, komme ich most likely nicht wieder hier zurück. Jetzt kommt also die letzter-Eintrag-Phase.

 

Einiges fehlt noch. Zum Beispiel ein Facharbeits-Thema.

 

SYL.T

Ach ja: für alle, die es nicht wissen und die es interessiert: die Kerwa ist am 20. Oktober. Bei uns natürlich.

26.9.07 05:27


LIVRAMENTO, URUGUAY & FUSSBALL

Ich bin zurück vom anstrengenden Rotary-Treffen in Livramento. Diese Leute neigen doch manchmal zur Übertreibung, doch von Dänemark her war ich es bereits gewöhnt, einem Club nach dem anderen präsentiert zu werden und viele neue Austauschschüler zu treffen. Ich war der einzige von ihnen, der nur 6 Wochen bleibt, alle anderen waren „long-term participants“, bleiben also mehr oder weniger ein Jahr. Sogar ein Mädchen, das ursprünglich aus Livramento stammt, war bei uns dabei, denn sie war gerade erst aus Deutschland zurückgekehrt, wo sie etwa dreizehneinhalb Monate verbracht hatte. Ausserdem kannten sich zwei, nämlich ein ziemlich gemeiner Kanadier (er steckte voller Sarkasmus und fieser Scherze) und eine davon sehr betroffene und verärgerte Australierin (mit der ich mich sehr gut verstanden habe), schon vom letzten Rotary-Meeting, denn die beiden sind schon seit etwa acht Monaten in Brasilien. Dann waren da noch vier Mexikaner (von denen ich endlich den spanischen Trinkspruch gelernt habe. Lisa, Isi, Barbara: ihr wisst noch wie der Kerl, der dich dann das Geld einsammeln hat lassen, uns diesen seltsamen mallorquinischen Likör gezeigt hat, der mich an Enzian erinnert hat? – „Abacho hidalgo“ usw.), die laut den beiden Skill-Mädchen so gut aussahen, zwei weitere Deutsche (das Mädchen war ein bisschen snob, wie ich mir gedacht habe, aber der Junge war ziemlich nett. Er hat zugunsten seiner Zwillingsschwester auf einen USA-Platz (in der Nähe von Los Angeles) verzichtet; er machte allerdings den Eindruck, als würde er Pfeffer essen, als er mir das erzählt hat), ein Mächen aus Polen und zwei Amerikaner. Ray war sogar der jüngste, erst fünfzehn, aber sehr lustig. Der zweite war so die Verkörperung eines Stereotypen (so?), aus Idaho, glaube ich. Wir haben uns aber gut verstanden. Er hat sich aber geweigert, sich in Portugiesisch zu versuchen, da er erst zwei Wochen hier sei, und seiner Mom gleich alle Papiere überreicht. Sie schienen sich alle öfters zu treffen, da sie doch alle in der Nähe wohnen. Und erst dort haben sie übrigens alle Regeln und Verbote ausgeteilt. Ich würde sagen: etwas spät, gerade weil sie die Wichtigkeit (vor allem der drei Ds [wer jetzt an den Geschichtsunterricht vom Gross in der zehnten Klasse denkt, liegt falsch. Das waren 6 Ds]: drinking, driving, dating (oder drugs?). Und jetzt schreib ich das schon mit Abostroph [während ich diese entferne, hoffe ich, ich habe dieses Wort wenigstens einmal richtig geschrieben], soviel dazu) so betont haben.
Und ich fühle mich etwas desorientiert und unvorbereitet (nicht dass mir irgendein anderes Gefühl vertrauter wäre), denn die anderen haben bereits ein Jahr vorher mit den Vorbereitungen für ihren Auslandsaufenthalt angefangen, ihren Blazer besorgt und sich Visitenkarten gedruckt, während ich von keinem dieser wichtigen Dinge erfahren habe, bevor ich bereits mitten im Austausch war. Ich war noch nicht einmal dort. Aber das werde ich nachholen. Kein Problem.
Die Stadt ist etwas sehr Besonderes, nämlich die Doppelstadt Livramento / Riveira. Im Herzen der Stadt liegt der „Internationale Park“, der eine richtige Ländergrenze ist: Livramento liegt in Brasilien, und der Park ist das Tor zu Uruguay. Die Leute hier verstehen sowohl Portugiesisch als auch Spanisch und sind sehr weltoffen, habe ich mitbekommen. Perfekt!  
Am Abend haben wir uns dann in einem uruguayanischen Lokal (aber draussen) getroffen und sind dann ein bisschen durch die Strassen der Stadt gezogen. Sehr städtisch, aber wie überall etwas alt. Dieses wunderbare Flair.
Mit weiter war nichts mehr. Meine Gastfamilie in Livramento war die passendste, die man sich vorstellen kann. Aus keinem bestimmten Grund; ich hatte nur einfach den Eindruck, dass sie das gerne machen und richtig darin aufgegangen sind. Sie hat noch bis in die Nacht für diesen Test gelernt, nachdem ich beinahe in einer fremden Stadt mit den anderen gestrandet wäre. Aber die Mutter des etwas planlosen Amerikaners hat uns alle abgeliefert. Übrigens sind hier alle Städte so hügelig.
Am nächsten Tag früh um acht ein weiteres Rotary-Meeting, aber ich bin es langsam gewöhnt mich zu präsentieren. Also alle in einer langen Reihe aufgestellt gestanden, während uns etwa einhundert Leute ansehen, als wären wir völlige Exoten, und der Mann scheinbar nicht mehr aufhören will zu sprechen. Dann durften wir endlich unsere portugiesischen Sätze sagen und nach einer weiteren halben Stunde und einem exklusiven Foto-Shooting waren die Zoobesucher plötzlich verschwunden und wir allein. Also haben wir beschlossen, unter der Führung der wahrscheinlich einzigen beiden Mädchen in Livramento, die diesen Test nicht gemacht haben, nach Riveira hinüberzugehen, wo sich die „free shops“ befinden – riesige Läden, von denen alle ein buntes Wirrwarr aus Süssigkeiten, Elektronikgeräten, Fussballtrikots und Alkohol verkaufen, die aber tax-free sind, wie im Flughafen. Und deshalb: sehr billig. Die ganze Bevölkerung des Grenzlandes pilgert regelmässig dorthin um einzukaufen. Sehenswert, aber frühs um zehn etwas anstrengend. Bis um zwölf haben wir uns im „grünen Hotel“ (Verde Plaza; auf brasilianischem Boden. Mann, das fällt mir erst jetzt auf: wer kennt die Textpassage aus der Eidechsenfeier > ‚he went down south and crossed the border, left the chaos and disorder right there back over his shoulder. One morning he awoke in a green hotel with a strange creature groaning beside him. Sweat oozed from its shiny skin ...’? Aber das ist es.) eingefunden, um mit sämtlichen Rotariern sowie Englischlehrern als auch besorgten Eltern, mitfiebernden Freunden und Testwilligen zu Mittag zu essen. Und wir mussten wirklich nur essen, ohne uns zu präsentieren. Noch kurz zu diesen Tests: in Brasilien gibt es so viele junge Menschen, die ins Ausland wollen, dass sie hier einen Test machen – und vor allem bestehen – müssen; die meisten scheitern aber nicht am Englischen (was ich nach der Schule und Skill vermutet hätte), sondern am Wissen über Rotary. Das steht sehr im Gegensatz zu den unaustauschwilligen Deutschen.
Da sich also das Mädchen, mit dem ich hergekommen war, nicht weiter qualifizieren konnte, hätten wir eigentlich sofort aufbrechen müssen, doch ich konnte noch Bibi ausfindig machen, die weitergekommen ist. Bis um fünf hatte ich also noch mit den anderen inbounds. Desorganisiert und planlos wie immer sind wir dann – mein Gepäck hatte ich irgendwoher – in das Haus einer Frau gegangen und haben zu fünfzehnt oder so in einem winzigen Zimmer einen Film gesehen, bis Bibi fertig war und wir nach Hause sind. Wir mussten die offiziellen Strassen umgehen, wegen gewisser Zoll- oder Steuerbestimmungen für Klimaanlagen, aber abends waren wir hier.
Heute mittag sind wir aufs Land gefahren. Ihr Vater hat Kühe gekauft. Und auf dem Land gibt es noch richtige Ranchs mit richtigen Gattern und richtigen Cowboys. Ich nehme mal an (denkend an Lisas Hang zum amerikanischen Westen und allem was dazu gehört), es hätte ihr gefallen (ich denke an das Bild aus ... war es Spanien?). Er ist über den Zaun geklettert und hat mit ihnen etwas ausgemacht, dann haben sie sich auf ihre Pferde geschwungen, haben die Rinder aus dem Gatter getrieben und sie dann im Western-Stil über endlose Weiten irgendwohin geleitet. Hatten sie Lassos? Ich weiss es nicht mehr. Aber alles sehr authentisch. Und die Kühe stehen hier nicht im Stall und sterben, wenn sie sterben – hm, das eigentlich schon, aber sie stehen nicht im Stall. Die Gelände sind hier so riesig, dass man die Einzäunung schon lange nicht mehr sieht; wenn man irgendwo drin steht, sieht man nur vereinzelt Kühe bis zum Horizont. So weit verteilt. Man glaubt, die Weiden wären überhaupt nicht begrenzt.  Dann sind wir zurückgefahren, hierher. Und hier bin ich immer noch. Aber wer weiss für wie lange noch. Denn heute war:
GRE-NAL. Das ist das Ende der Zivilisation. War vielleicht jemand in Rom, kurz nach dem Endspiel am 9. Juli 2006? Von genau so was komme ich gerade zurück. Ich hole aus:
Die beiden rivalisierenden Teams, Grêmio und Internacional, spielen einmal pro Saison gegeneinander, logisch. Aber wenn sie das tun, steht ganz Rio Grande do Sul auf dem Kopf. Egal, einer wird gewinnen – im Extremfall auch zwei – und deshalb bereiten sich alle darauf vor zu feiern. Schliesslich hat Grêmio den Vorsprung von 1:0 (das schreibt man hier übrigens 1x0) gehalten und hat gewonnen. Und das war ein Aufruhr in der Stadt. Überall Menschen mit Grêmio-Trikots, Flaggen, Hüten. Autoschlangen, die sich durch die Innenstadt winden und von Soldaten geteilt werden, Hupkonzerte, tanzende Fans ...
Irgendwie sind wir nach Hause entkommen, wo wir schliesslich auf irgendetwas warten. Ich glaube darauf, dass die Pizzeria frei wird.

 

SYL.T

 

17.9.07 02:52


Neu!Neu!Neu!

 

Ich glaube, so viele bahnbrechende Neuerungen auf einmal kann ich nicht vertragen. Das muss ich erst mal verdauen, dann wahrnehmen und dann erst feststellen, dass sich das fast gar nicht auf meinen momentanen Tagesablauf (auf den in der nahen Zukunft wahrscheinlich auch nicht) auswirken wird. Aber schockierend ist es trotzdem.

 

Der Herr Geyer geht in Rente. Nein! Zuerst habe ich für nicht wahr gehalten, schliesslich geht dieses Gerücht jeden September um, seit dem wir an der Schule waren, sprich '99. Aber die Lisa wird sich schon was dabei gedacht haben, als sie das hier (für jeden einsehbar) reingesetzt hat. Ausserdem: du willst was?! Ich habe ja (in Mangel an Fantasie und der Ausdauer, mir darüber weiter Gedanken zu machen) immer noch auf das Bostoner Bürogebäude getippt, aber dass du dort Praktikum gemacht hast, sowie die Tatsache, dass du überhaupt schon Praktikum gemacht hast, schockiert mich zutiefst! Was ist daran toll? Wahrscheinlich schockiert es niemanden meiner treuen Leser, dass jemand im letzten Schuljahr ein Praktikum macht, um die Arbeitswelt, in die man in näherer oder fernerer (?) Zukunft einzutreten plant, etwas besser kennenzulernen bzw. sich darauf vorzubereiten. Da ich aber noch nicht einmal darüber nachgedacht habe, auch nur einen Finger für so etwas wie Arbeit-und-dafür-bezahlt-werden zu rühren, kommt es für mich ziemlich überraschend, dass das in meiner unmittelbaren Umgebung geschieht. Bei den Jungs ist das was Anderes: sie arbeiten jetzt schliesslich richtig. Aber ich habe immer gedacht, den Gymnasiasten als absoluten Theoretikern ist nichts anderes als der Weg einer leichten akademischen Karriere vorgezeichnet. Dass man damit auch was Anderes anfangen kann, habe ich niemals realisiert. (Natürlich war ich niemals so krass naiv, aber ... Arbeit? – Nein danke!) Wie auch immer, das Ganze klingt sehr entschlossen und rational überlegt. So richtig mit Konsequenzen?

 

Weiter zu etwas angenehmeren Neuigkeiten. Ein neuer Mathelehrer? Besser als der Leberecht? (Wer meiner ehemaligen Mitschüler empört sich jetzt mehr oder weniger lautstark? – Die ewige Abstimmerei hat unsere Klasse für den Rest des 11. Schuljahres entzweit.) Aber Grieche? Haben wir nicht einen griechischen Metzger (DIES ist ein Witz. Jeder, der weiss, worum es hier geht, wird dringenst darum gebeten, kein Wort darüber zu verlieren, um Gerüchten vorzubeugen. Das ist wichtig.)? Ausserdem ist „der Grieche“ Grieche, wie der Name unschwer erkennen lässt. Hm, da sieht man, was man davon hat, wenn man jemanden nie bei seinem richtigen Namen nennt: ich hab ihn vergessen. Er mich aber nicht: als ich sie am 18. Juli besucht habe, hat er mir wie immer irgendwas erzählt und hat Fussball gespielt. Hah, ich weiss es: Jonian hiess er. War ziemlich seltsam, die Zeit. Wie auch immer, ich habe natürlich nichts gegen Griechen. Ich würde ihn ganz gern mal sehen. Das heisst, ich plane euch wieder irgendwann zu besuchen.

 

Ausserdem verändert sich meine Heimat mehr und mehr. Uralter Punk, Leute, die meinen, sie würden MIR immer ähnlicher, und das zu vermeiden suchen, sowie fast schon rebellische Haltung gegenüber der grossen Welt bei Leuten, die ich fest in dieser Welt verwurzelt glaubte und annahm, sie seien wie geboren dafür. Und jetzt will die Barbara „irgendwohin“. Gefällt mir das? und Vorschläge, Lisa?

 

Weiter zu meinen Neuigkeiten, die neben oben genannten einschneidenden Veränderungen unbedeutend aussehen. Montag beim Training habe ich aufgehört. Dienstag nachmittag war ich in der Schule, aber nur die letzten beiden Stunden, denn sowohl sie als auch ich hatten keine Lust auf die langweilige Literatur-Klasse. Mal abgesehen davon, dass ich von keinem der Autoren je etwas gehört habe. (Warum haben wir eigentlich kein Schulfach „Brasilianische Literatur“? – Aber mal im Ernst. Bei uns wird das ganze Lesen usw. in Deutsch erledigt. Das heisst doch umgekehrt, dass entweder die Grammatik zu kurz kommt oder die deutsche (Schrift-)Sprache zu einfach ist, um gelehrt zu werden. Ich tippe allerdings auf Ersteres, wenn ich mir die Interpunktion einiger Mitmenschen ansehe, ganz zu schweigen von Instant-Messagern wie ICQ, die unsere Sprache vollends verschandeln. [Aber – wer bin ich, dass ich mich vor Veränderung fürchte? Vielleicht, weil ich mir immer noch kritisch anhören darf, ich könnte keinen Dialekt sprechen, mich aber woanders fast niemand versteht. (Note: ich hoffe doch, dass alle wissen, das alles nicht so ernst gemeint ist, wie es aussieht. Um das zu verdeutlichen, müsste ich alles, was ich schreibe, mit Smileys spicken, wozu ich aber zu faul bin (also doch!). Deshalb ] Aber wie? Schliesslich können es nicht mal die Lehrer. Ist nicht der Gross immer wieder darum herumgekommen, deutlich zu machen, wann ein Komma kommt und wann keines?)

 

Nach der Schule haben wir noch darauf gewartet, dass der kleine João mit dem Kindergarten fertig ist (die jüngeren Kinder gehen in Brasilien nachmittags zur Schule. Das ist praktisch! Auch wenn ich mir das für Deutschland umgedreht wünsche). Und währenddessen ist mir Rês Cousin Dudu entgegengekommen und hat gefragt, ob ich nicht mit den Jungs Futsol spielen will. (Futsol ist eine Art Hallenfussball. Zwar kleineres Spielfeld, kleineres Tor und weniger Spieler, aber ohne Bande und mit einer speziellen Art Einwurf. Man schiesst den Ball mit dem Fuss, muss ihn aber vorher mit der Hand berühren. Das ist in Brasilien sehr populär, das müssen sogar die Grundschüler richtig lernen. Und ihr Vater hat sogar einmal die Futsol-Jugendmannschaft von Santiago trainiert, die ziemlich erfolgreich war. Laut Rê ist es sehr verschieden vom Fussball ...) Auf jeden Fall haben wir (sie auch! Sogar freiwillig im Tor) solange mitgespielt, bis es 4.50 Uhr war. Und das ist richtig richtig schnell. Und eines habe ich sowieso festgestellt: der brasilianische Fussball ist nicht engstirnig, sondern viel kreativer und unterhaltsamer. Zwar braucht der Schiedsrichter in Liga-Spielen etwa zehnmal seine gelbe Karte und für jedes Spiel drei Trillerpfeifen, aber die Angriffe kommen viel interessanter. Da wird nicht nur lustlos vor sich hin gelaufen, bis es vielleicht mal aussichtsreich genug aussieht, um loszulaufen, sondern über die Seiten, durch die Mitte, Übersteiger, gelupft ... alles sehr einfallsreich.

 

Gestern Karatê, ich kenne jetzt auch den Weg nach Hause und verstehe sogar, wenn sie mich danach fragen. Bunkai und so weiter.

 

Morgen fahre ich mit vielen weiteren aus Skill (normalerweise langweilige Stunden, heute wieder) an die Grenze zu Uruguay. Ich, weil sich dort die Austauschschüler treffen, die anderen, um ihren Englischtest zu bestehen, der sie dann in die weite Welt hinausführt.

 

Und als ich heimkam, sassen alle im Churrasco-Haus mit einer befreundeten Familie, deren Sohn ein sehr erfolgreicher Futsoler ist und deren Vater die Mannschaft trainiert und mich ausserdem dazu eingeladen hat, mitzuspielen. Also: bin ich heute morgen hin und habe mitgespielt. War sehr cool, ich weiss nicht, wie alt sie waren, auf jeden Fall waren sie grösser. Allerdings wohl noch nicht so alt, da ich fast so gut war wie sie. Und es macht Spass. Hah, ich freue mich schon auf den Winter und auf Hallenfussball. Da muss man nicht so viel rennen.

 

Bis jetzt habe ich nur nachgeholt, wozu ich vorhin nicht gekommen bin. Und ja: ich trage mich auf dem grünen Fleck neben „20. Oktober“ ein. Aber wer ist nicht bei seiner eigenen Kerwa dabei??

 

SYL.T

 

13.9.07 21:06


Hah, ich bin zurück. Noch ein Ride, aber schon sehr früh am morgen. Wer hält das aus.

Ich hab noch ein deutsches Mädchen getroffen, sie bleibt aber ein ganzes Jahr und spricht etwas mehr Portugiesisch als ich (sie hatte aber schon 2 Monate Unterricht, bevor sie herkam. Puh!). Hm, wer kennt mich? Und sie wohnt in Paraná.

Wieder mit in der Academia. Das macht allmählich richtig Spass, obwohl ich doch den Gedanken nicht aus dem Hinterkopf schütteln kann, dass es hirnrissig ist, ewig auf dem selben Fleck zu strampeln oder zu hüpfen. Es war so heiss oder so anstrengend, dass ich hätte schwimmen können.

Dann zu Karatê. Zuerst VIEL Kumite. Jeder war müde, aber ich war erst am Anfang ... Allerdings liegt es hier nicht daran, dass die anderen nicht mehr laufen können. Gummiboden! Ich hoffe, ich bin auch dabei, ein bisschen mehr Reaktion zu entwickeln, um eines Tages der Meike die Schnecke zurückzugeben Hm, die fehlende Mimik muss man hier eben durch die Smileys ausdrücken. Zum Schluss noch ein bisschen Kata. Und zwar die Bassai Dai. Ausserdem die Enpi anschauen (heisst das nicht übersetzt "Flug der Schwalbe"? Oder verwechsle ich das? Die einzige Kata, bei der man hoch und runter darf?). Und Jitai oder so ähnlich. Hab ich noch nicht gehört, vielleicht nennen sie sie auch anders. Übrigens gibt es hier Rotgurte - klingt komisch, ist aber so. Und die Blaugurte sind lila. Ganz am Ende hat er mich noch die Tekki laufen lassen. Hah, Karatê ist ... sehr schön.

Also, ich weiss immer noch nicht, was die Lisa mir anscheinend Wichtiges mitteilen wollte. Ausserdem habt ihr noch sehr wenig Zeit. Und zwar sind es noch etwa dreieinhalb Stunden (für die Würzburger 5 Minuten weniger - an diese seltsamen Zeiten werde ich mich nie gewöhnen) bis zum Schulanfang. Und ich bin nicht da. Dann gehen auch die letzten wieder zurück. Beziehungsweise fangen ja dieses Jahr einige an zu arbeiten. Für euch ist es sowieso vorbei, Jungs. Viel Spass in einer Welt, die ich mir nie (das heisst für einen jungen Menschen: nicht in den nächsten 7 Jahren. Da fällt mir die Tatsache ein, dass manche diese Zahl 7 für eine besondere halten, manche gar für die Zahl des Teufels. Zumindest jedoch Blues-Fans kennen es auch aus dem alten Hoochie Coochie Man von Willie Dixon. Auf jeden Fall schön zu malen.) zu betreten wünsche. Ich kann es nicht nachvollziehen, wie man darauf hinarbeiten kann. Und doch ist das genau das, was ich tue. Ich bin immer noch auf dem direkten Weg dorthin, auch wenn ich mir alle Mühe gebe, davon abzukommen. ("You are under ..." - "Verdammt, glaubst du denn auch das, was über mich erzählt wird?" -- Eine Diskussion über Recht und Gesetz und wie sie uns in ihren Bann zieht. Aber halte es nicht allgemein, schliesslich sollte man wissen was gemeint ist. SAY IT - don't spray it nor mumble nor stammer nor whisper.) Gerüchte sind natürlich trotzdem so gemein wie gefährlich.

Wie, du gibst dir alle Mühe, aber du verstehst mich nicht? Was soll ich dazu sagen? Ich habe dieses Gefühl schon seit einiger Zeit.

Aber "ich bin nicht faul, ich hab nur einfach keine Lust ...". Zum Glück ENTER.

Zum Schluss: ich freue mich schon, euch alle irgend w a n n wieder zu sehen. Übrigens übertragen die hier Full House. Würde mich schon reizen, das mal auf Portugiesisch zu sehen, das einzige, was mich davon abhält, ist die unmenschliche Sendezeit: Sonntag frühs um zehn ). Wer sitzt da vor dem Fernseher?

--cut. Das war's. (Das reicht jetzt!)

SylT

10.9.07 23:40


Nur kurz, denn: ich sitze in Santa Maria vor Sis Computer (Si ist nicht Rê, sondern einer ihrer Freundinnen, Verwandten whatever und studiert hier und wohnt hier. UND siel liest Kerouac!) und weiss nicht wie lange ich noch hier bleibe und es ist schon spät.

Wir haben die Stadt gestern abend erreicht, mit Lichtern und Palmen in der Mitte und so, aber nach den hier weniger verpflichteten Verwandtenbesuchen bei Sis Familie gesessen (neulich waren sie erst bei uns in Santiago. Und ihr Vater ist der really crazy uncle. Einer von den beiden mit dem tiger. Als er sich von mir verabschiedet hat, hat er laut "back to the horrrse" gerufen, anstatt "house", wie in Rês Mutter aus der Küche verbessert hat. Wohinauchimmer er zurückgegangen ist, wir sind jetzt da.). Erst heute morgen die Stadt geentert und das Phänomen der süd- bzw. überhaupt der amerikanischen Städte aufzudecken: die fehlende Altstadt. Naheliegend, logisch, aber verblüffend. Und Santa Maria ist mindestens so hügelig wie San Francisco, wenn nicht Ippesheim. Ohne es zu wissen, scheine ich wieder Leute so zu beeinflussen, dass sie sich verfahren. Dabei wollte ich in die Bar, wirklich.

Und die Palmen in den Strassen. Hier gefällt es mir, in ihrem Haus, denn sie wohnen in einer Art Vorort (nicht zu vergleichen mit Bromley oder ähnlichen Orten, an denen man nachts verloren und orientierungslos ist; das hier ist gar nicht so verschieden von einem Dorf, mit Nachbarschaft, Hunden, Katzen, Kopfsteine und Bäumen). Nachts ist es leise bis auf Hunde und Frösche. Und man kann draussen sitzen, obwohl sie mir versichert hat, es wäre immer sehr kalt. Heute in Santa Maria Temperaturen wie in Rom - wir sind an einem Schild vorbeigekommen, das 39° angezeigt hat - und ja, Celsius, und nicht Fahrenheit. Ausserdem bei ihrem geliebten Mac, wo ich zum ersten Mal Maracuja-Saft gekriegt habe. Bei Mcd.

Lisa: was für ein Geschwafel? Leider kann ich nur lesen, was man offenbar nicht lesen können soll, auch ohne irgendwas freizuschalten. Vielleicht finde ich's ja noch irgendwo. Aber heute habe ich auf der Strasse eine Capoeira-Gruppe gesehen. Mit Musik und Akrobatik. Sieht mehr wie Tanz aus, aber Si hat mir versichert, die könnten sich auch verteidigen ... ich habe ein paar Bilder gemacht. Countdown also: noch 3 - nein, 2 Tage bis zum letzten Schulanfang unseres Lebens - und ich bin nicht da. Wie die Barbara das vor etwa einem Jahr ausgedrückt hat. "Oh Gott, morgen - k12". Tja, das ist Vergangenheit. Wo kommen wir hin? Und vor allem - was machen wir dann da? Neuseeland scheint ein beliebtes Ziel junger Leute zu sein. Aber das hier ist so verdammt gross - in der Zeit, in der wir bis nach Solingen gefahren sind, also das ganze Land durchquert haben, fahren wir hier gerade bis in die Hauptstadt des Bundeslandes. Dimensionen. ohne.

Irgendwann mehr von Chimarrão, Churrasco, Maracujas, Mangas und Corraçãos (nicht zu fassen: die essen hier chicken hearts - aber die sind mir mit zu viel Fett; ausserdem habe ich die ganze Zeit das Rehherz vor Augen). Bis dahin

9.9.07 01:27


 [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung