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BRASIL

Was alles passiert in den folgenden – bzw. jetzt schon angefangenen 6 Wochen - versuche ich festzuhalten. Irgendwann wird es mich wahrscheinlich interessieren. Nothing is as interesting as reviews of former times. Unless yourself.

Während ich noch versuche, mich mit der brasilianischen Tastatur vertraut zu machen, fang ich mal an. Vamos, c´est parti ...

Montag, 20. August 2007

Abends noch völlig unvorbereitet und orientierungslos bei Jacky im Wohnzimmer gesessen, irgendeinen Teil von diesem „Final Destination“-Mist geschaut, dabei nach Benzin gerochen und Tofiffee gegessen, aber kurz vor eins aufgebrochen, da der Felix dazu gedrängt hat. Also wieder rübergefahren ins kalte Neuherberg und noch ein bisschen Horrorfilm geguckt.

Der nächste Morgen: Den Koffer (!) innerhalb von zweieinhalb Stunden gepackt – dieses Ding war doch verdammt schwer und entgegen meinem Versuch, immer mit leichtem Gepäck zu verreisen. Ich weiss schon warum. Dieses Ding war dann schliesslich im Auto verstaut, neben ihrem riesigen schwarzen und dem pinken Monster, das drei oder vier Wochen vorher spät nachts in der Nürnberger U-Bahn ständig auf mich gefallen ist – wer erinnert sich?

Sogar Gastgeschenke gefunden. Mann oh Mann, ... Die Hürden und Hindernisse zwischenmenschlicher Beziehungen. Wie uns das aufhält. Und wozu? Es macht mich fertig. Sie waren jedenfalls sehr nett und es war noch schöner, meinen zukünftigen Gasteltern eine Freude machen zu können. Mit den Eltern ... ohne Geherze aus dem Haus gehen und irgendwann wieder kommen; aber ich glaube, dass ich mich seit neuestem so weit habe. Just because. Wo finde ich mich?

Der Flughafen in Frankfurt ist doch ziemlich nahe. Mein Vater hat früher immer einen Aufstand gemacht, das würde zwei (!) Stunden dauern, ... Doch man wird noch von ganz anderen Distanzen lesen. Den „River Main“ überquert, wie zuvor viele Male Montag morgen, und noch davor Freitag abends ( How strange perception can be – an essay on the followings of boredom). Das ist ewig her. Der Flughafen war ziemlich leer – naja, Montagabend ist eben keine Lieblingszeit, in der sich ... ins Flugzeug setzen und ab nach ... ja, wohin eigentlich? Den Strand von Mallorca? Nein, für zeitlose Kleingeister. Namibia? Mann, das alte Deutsch-Südwestafrika klingt so doch zu exotisch. Also: Dom.-Rep.. Ha, langer Flug, also weit weg von Europa, weisser Sandstrand plus Palmen plus Sonnenuntergang über dem Meer, also: SCHÖN!

Koffer runtergeschleift und zum Einchecken. Die freundliche Dame am Schalter hat zunächst den Eindruck erweckt, sie wäre noch nicht lange am Arbeiten und nicht darauf aus, ihren glücklich ergatterten Job gleich wieder los zu werden, als sie mir erklärt hat, unser Gepäck hätte beides Übergewicht – ihres nachvollziehbarerweise mit 66 Kilogramm, meines mit 23 Kilogramm. Aber was ist das? Die hilfsbereite Fluggesellschaft VARIG kann Fluggästen, die ihr Ticket in Deutschland erwerben, leider keine insgesamt 64 Kilogramm Gepäck erlauben, sondern nur 20. Ja wie, zwanzig für sechs Wochen? Da möchte ich einige Bekannte von mir sehen, nicht zuletzt meine Begleiterin oder eine Referendarin aus Würzburg. Die Dame zeigte sich dann doch kooperativ (hat sie ein Gesichtsfarbenwechsel von weiss nach rot aus Empörung über diese himmelschreiende Ungleichbehandlung vielleicht beeindruckt?) und erlaubte mir die 3 Kilogramm Übergewicht. Sie hatte vielleicht doch mehr zu sagen, als ich zunächst angenommen hatte.

Später: Verabschiedung. Wozu? Frankfurt by night (nach Roma, Paris und Wien  wer erinnert sich an das Lied „il est cinq heures, Paris ... s´eveille“? Da kam doch der Pariser Sextourismus zur Sprache) aus dem Fenster einer Boening 767 (mit Sitzreihen in der Mitte. Wer kam damit vor nicht allzu langer Zeit aus den feuchten Südstaaten ins alte Europa? Auf den Spuren seiner Verwandtschaft? Wir werden sehen.).

 Nicht weiter interessant, denn es war dunkel. Ich habe aber den grossen Atlantik verschlafen, der so unheimlich war seit ich klein war, zu Zeiten von Halifax; erinnert euch?

Dienstag, 21. August 2007

Es war noch dunkel, als mich die zweite Seltsamkeit erwartete, und das um 5.30 Uhr. Der grosse internationale Flughafen von São Paolo empfängt die heimkehrenden Landsmänner und –frauen mit offenen Armen und ohne Warteschlangen, wohingegen die estrangeros zuersteinmal durch eineinhalbstündiges Anstehen auf den Boden zurückgeholt werden – im wahrsten Sinne. War auch ganz interessant, eine Holländerin auf dem Weg nach Bolivien zu treffen.

 Den Flughafen-Transfer haben wir auch gefunden, denn der Weiterflug nach Porto Alegre noch weiter im Süden ging vom Aeroporto de Congonhas. Eine augenöffnende und ziemlich wahre Fahrt von ausserhalb ins Zentrum einer achtzehn-Millionen-Stadt. Das Einzige, was die Hütten der Slumbewohner zusammenhält, ist ein Wunder. Kein Kleber. Den namenlosen Fluss, an dem wir entlanggefahren sind, würde ich selbst nach der Donau nicht durchschwimmen: er war wirklich schwarz, schwärzer ... Gefährliche Blasen stiegen daraus auf und vor den Zuflüssen staute sich der Schaum.

Note: es mag sich vielleicht etwas negativ anhören, aber so ist es nicht. Ich finde es ganz schön hier. Ein bisschen verrückt.

Wir haben den Flughafen mit zwei netten Brasilianerinnen errreicht, allerdings hat sich mein Eindruck vertieft, dass die Leute – vor allem die jungen – etwas kopflos sind. Das stösst mich manchmal fast in den Abgrund des Wahnsinns ( Arc de Triomphe; wem hab ich`s nicht erzählt?). Aber gut; andere Länder – andere Sitten.

Der Flug war toll, wir hatten kaum Wolken. Viele Felder usw. Die Brasilianer selbst nehmen das mit dem Übergewicht nicht so ernst, da hat mich Rê schon beruhigt. Ich habe dann zum ersten Mal ihre Familie getroffen. In Brasilien umarmt und küsst sich jeder. Ausserdem hätte ich nie gedacht, dass ich kleine Kinder mögen könnte; aber hey: ihren kleinen Bruder João (2) habe ich sofort ins Herz geschlossen. Impossible is nothing, haha.

Danach: eine lange Fahrt durch das brasilianische Hinterland. Etwa so, wie es der Lisa gefallen könnte. Mit staubigen miesen Strassen, alten Trucks an Texaco-Tankstellen (LIFE?) und mit Wüstenbüschen am Rand. Kuhherden, die die kahlen Sträucher abweiden. Schnurgerade Strasse, die scheinbar ins Endlose und direkt der Sonne entgegen führt. Einfach nur nach Westen. Hätte dir das gefallen? Ihre Familie ist auf jeden Fall nett. So eine Gastfamilie hätte ich gern in Cardiff 2003 gehabt. Erinnert ihr euch an die Streitereien? („When do you come back tonight?“ – „Er, we don't come back. We go back home today.” Mona? Fränz?) Es kamen noch am selben Abend (wie seltsam, dass es im August um 6 Uhr dunkel wird) viele Freunde und Verwandte vorbei. Noch mehr Umarmungen.

Mittwoch, 22. August 2007

Der Tag lief ruhig an. Sie ist ein bisschen in die Schule gegangen, dann wieder zurückgekommen. Nachmittags war Sport angesagt. Das läuft so engagiert ab wie Volleyball bei der Frau Böhm (ha, die oute ich gerne). Der Trainer, Mario, ist aber sehr nett. Der Sport fängt mit „P“ an und liegt genau zwischen Badminton und Tennis. Nach einer halben Stunde waren alle sehr fertig und konnten mehr oder weniger perfekt „Shukulateh“ sagen. (Ich glaube, das wird mein neuer Spitzname ... Buffalo Bill erinnert mich nämlich immer an den Typen aus „The Silence of the Lambs&ldquo.

Abends sind wir zu einem Karate-Verein gegangen, der nur ein paar Blocks weiter ist. Ich wurde schliesslich instruiert, mich da nicht hängen zu lassen und vielleicht mal was zu machen. Und sogar dort trinken sie Chimarrão.

> Ein tee-artiges Getränk, ein bisschen bitter. Es wird aus einem speziellen Gefäss mit einer Art Strohhalm und von jedem und überall in Santiago getrunken. Wir sind noch nie durch die Stadt gefahren, ohne dass ich irgendjemanden damit in der Hand gesehen hätte. Ein Nationalgetränk! Sogar die Schulsekretärin trinkt es hinter ihrem Schreibtisch. Und es ist heiss, sehr heiss. Aber göttlich! Wenn ich nach Hause fahre, muss ich unbedingt so was mitnehmen.

Der Trainer (2. Dan) hat mir erst mal erklärt, dass sie nicht so viel Kumite, dafür aber mehr Kata und Kihon machen. Na, das kommt einem doch bekannt vor! Ich hab aber nicht viel von ihm gesehen, da er die anderen nur korrigiert hat. Dabei aber kein Chimarrão.

Donnerstag, 23. August 2007

Mein erster Schultag am Colégio Medianeira. Die Schule beginnt hier um 7.45 Uhr, die Schulstunden dauern genau so lange wie in Deutschland. Aber ganz anders ist hier der Umgang Schüler-Lehrer: Sie umarmen sich oft und laut (sogar die Putzfrauen und die Direktorin) und sie bringen Kaffee und Becher mit. Ich glaube, ich bin der einzige in diesem Land, der keinen Kaffee trinkt. Aber stellt euch vor, die Bertlein käme statt mit ihrem Kassettenrecorder mit einer Thermoskanne für uns durch die Tür. Und wir würden sie freudestrahlend begrüssen mit „Oi, profi!“ ...

Es ist auch nicht im geringsten üblich, dem Lehrer zuzuhören. Als ich die Mädchen danach gefragt habe (es sind nur 4 Jungs in der Klasse, einer davon ist schwul), haben sie nur gelacht. Das macht man hier halt so. Ausserdem müssen sie eine Art Schuluniform tragen. Die Vorschriften werden in der Abschlussklasse aber nicht mehr so ernst genommen; es tragen alle diese Leggins bzw. Jogginghosen oder Pullis mit dem Schullogo drauf. An die Hosen muss ich mich noch gewöhnen ...

In den Pausen gibt es das wundervollste Essen (keine Schulkantine) überhaupt: brasilianischen Schokoladenkuchen und Pastello. Zu ersterem ist nur zu sagen, dass er sehr süss und klebrig ist und ein bisschen schwierig zu essen. Letzteres hab ich für mich entdeckt: eine Art gebackener Teig (ich kenne mich wirklich nicht aus beim Kochen, ich bin noch bei Lektion 1: „Wie schiebe ich die Fertigpizza in den Ofen?“ – Wer langt sich jetzt an die Stirn?) mit allem Möglichen drin. Ha, ich liebe Überraschungen!

Nach der Pause wird die Zeit ausgenutzt, bis der Lehrer kommt. Ich möchte nie wieder einen Bomhard-Schüler hören, der sich über die verdammte Klingel in Uffenheim beschwert. Das Signal hier ist eine Alarmsirene und ich denke jedesmal, es ist ein Feuer ausgebrochen. Die Schüler tanzen und singen im Klassenzimmer („stupid songs from North-East&ldquo in einer Lautstärke ... aber was soll`s, ich bin mittendrin, ich soll ihnen auf Französisch vorzählen und so weiter. Ziemlich cool („legal&ldquo.

Es sind nur fünf Schulstunden hier, Schluss ist um 11.55 Uhr und dann geht's nach Hause. Die Stadt ist sehr schön, auf eine bestimmte Art, sie erinnert an Süden und Hitze und manchmal fühle ich mich 100 Jahre in der Zeit zurückversetzt. Es gibt hier keine obligatorische Heizung unter dem Fenster, schliesslich wird es nicht so kalt. Im Winter sitzt man einfach am Feuer im Wohnzimmer zusammen. Ausserdem gehören die Pferdekutschen und Ochsenkarren einfach zum Strassenbild.

Dann haben wir erst mal zu Mittag gegessen: ihre Mutter kocht wunderbar! Wenigstens das kann ich ihr auf Portugiesisch sagen.

Ausserdem haben wir die Englischschule besucht, für die, die Englisch lernen wollen. Der Unterricht muss etwa so wie in Frankreich sein. Wir haben eine DVD gesehen, auf der immer derselbe Mann immer denselben Mist redet. Dieser wird dann veranschaulicht und vorgelesen: if clauses, reported speech etc. (Das erinnert mich an dieses furchtbar weisse Klassenzimmer in der 9. Klasse mit den Gummibärchen an der Decke. Und an den Peter und sein Waschbecken-Abenteuer. Insider, lacht, die Fontäne!) Die Lehrerin ist sehr nett und während der Stunde, in der wir résumés bewertet haben, lief daneben MTV Brasil. Aber warum nicht? Multi-Tasking wird viel zu wenig geschult, sonst müsste ich nicht immer stehenbleiben.

Abends sind wir noch mehr Verwandte besuchen gegangen, unter anderem ihren Opa, vor dem sie mich schon gewarnt hat: er hat nämlich einen Radiosender und wahrscheinlich müssen wir uns offiziell der ganzen Stadt vorstellen. Den grossen Club, in dem sie ihre 15-Party (jeder Jugendliche in Brasilien macht an seinem 15. Geburtstag eine riesige Party mit bis zu 500 (echt kein Scherz!) Leuten) gefeiert hat, und die Universität der Stadt. Am Rand der Stadt und immer dort, wo man das Land sehen kann, komme ich mir etwas verloren vor. In Deutschland leben wir alle so bedrängt, nicht nur in der Stadt, auch auf dem Land, jedes Stückchen Erde wird kultiviert und genutzt (was sollen wir mit dem ganzen Zeug?). Aber dort gibt es riesige verdorrte Flächen, die niemand braucht und einfach rumliegen. Ich komme mir vor wie auf einer Oase. Wie kommt alles dorthin? Der Blick ist „wahnsinn!“.

Freitag, 24. August 2007

Auch heute war ich in der Schule. Sowohl die erste Spanisch- als auch Portugiesischstunde meines Lebens und in beiden einen Test geschrieben. Dann den Computerraum benutzt und mir ein 2con-account zugelegt. (Ist das Gruppenzwang?) Dann war aus. Wenn ich da an die armen G-8ler denke ... hm, Un.M.?)

Nachmittags noch ein bisschen die Stadt angesehen und den kleinen João aus dem Kindergarten abgeholt. Seine Lehrerin war sehr verwundert, dass er Angst vor Clowns hat (die in Portugiesisch anders heissen, dabei war das doch bestimmt das erste englische Wort, das jeder von uns gelernt hat). Ist das nicht seltsam? Vor Clowns teilt sich die Menschheit in zwei Gruppen. Während zwar noch die grosse Mehrheit Clowns zum Lachen findet, gibt es doch auffallend viele, die sie nicht mögen. Keine Ahnung wie das früher war, heute mag ich die auch nicht. Die haben was Trauriges.

Ausserdem: das erste Karate-Training in einem brasilianischen Dojo. Ich habe meinen Gi in Deutschland vergessen, aber das macht nichts. Aber diese Gummimatten am Boden sind reiner Luxus verglichen mit unseren Holzböden, vor allem bei Liegestützen auf den Fäusten. Da gehen die Knöchel nämlich nicht nach innen. Das Kihon ging noch, Kata hoch bis Heian Godan. Das Bunkai wurde dann schwieriger. Ich glaube, wir haben noch nie das von der Heian Yondan geübt, und das dann auf Portugiesisch erklärt zu kriegen ... verdammt, ich verstehe sie nicht! Es hat ewig gedauert, bis sie mir verklickert haben, dass das mein T-Shirt ist! Aber wieso nicht? Ich erinnere mich an die Worte eines weisen Kickboxers: „Immer mal über den Tellerrand schauen!“. Abends: volles Haus.

27.8.07 14:26


Samstag, 25. August 2007

Ein toller Tag. Frühs erstmal einen Film geschaut, weiss nicht mehr wie er hiess, ich gehe später nachsehen. Neu war er, mit Leonardo DiCaprio und dem Typen aus den Bourne-Filmen, dessen Name mir gerade nicht einfällt. Überhaupt fällte mir gar nichts mehr ein. Wie singt man denn „Happy Birthday“ auf deutsch? Gestern wollten sie das von mir wissen, und ich hab’s vergessen.

Ausserdem war er nicht gut. Es ging irgendwie um - eigentlich hab ich keine Ahnung worum es ging; ich musste die ganze Zeit wegschauen, weil ich mir diese sinnnlose Gewalt nicht ansehen konnte. Wir haben mittendrin aufgehört und sind weggefahren.

Ziel: eine geheimnisvolle „gruta“ – eine Grotte. Zuerst haben wir noch einen Wasserfall von oben angesehen. Man hält an auf freiem Feld, klettert durch urwaldartiges Gestrüpp (wir haben keine Schlangen gesehen) und über grosse glitschige Felsen – und plötzlich steht man in einer Art Fluss, der im nichts verschwindet. Was für ein Panorama. Die Grotte war toll, nicht zuletzt weil niemand ausser uns dort unten war. Und überall Wasser. Ausserdem waren die dunklen Durchgänge nicht überall durch Neonlichter verschandelt, sondern einfach dunkel. In Deutschland ginge das nicht, aber das ist gerade das, was ich so mag. Dann haben wir den Wasserfall von unten gesehen. Und er war gar nicht mehr so klein. Faf: Winnetou pur. Sieht aus wie der berühmte spot in Kroatien, wo wir immer hinwollten. Extra Bilder gemacht.

Ich mag das brasilianische Land. Ohne viel Nutzen liegen heute noch die Bahnschienen herum, denn sie werden heute nicht mehr benutzt. Stellt euch vor, Brasilien zur Zeit der Kolonisation durch Europäer: Holz, Dampfloks, Regen, ... Später haben wir – auf der Suche nach einem Aussichtspunkt – auf freiem Feld gehalten. Normalerweise tun einem Kühe ja nichts, friedliche Tierchen ... Aber als die plötzlich auf uns zugehüpft kamen und meine Begleiterinnen auf und davon waren, war ich mir da nicht mehr sicher. Ich hab jedenfalls nicht versucht sie zu streicheln und bin ins Auto. Wir haben davon abgesehen, zu diesem Punkt zu laufen. Im Auto waren wir sicher vor diesen verrückten Tieren. Ausserdem stehen hier uralte Kirchen rum. Sie sind nicht so alt, stammen vielleicht aus der Zeit um 1890, aber sie sind verlassen und unheimlich und kaputt. Richtig mystisch. Von innen noch viel mehr wie „Haunted House“.

Abends grillen. Das macht man fast jeden Tag hier. Das Haus voller Verwandter. Rê hat mich auch hier vorgewarnt: „I haven’t seen my uncle for one year. You’re so happy. You have just arrived and meet him. He’s really crazy.” Nicht dass mir diese Beschreibung helfen würde, irgendwen zu identifizieren, denn hier ist ausnahmslos jeder verrückt. Es war doch ganz lustig („De tiger – roaaaaaaaaar...&ldquo, aber sie haben mich hundertmal über die deutsche Vergangenheit ausgefragt. Als das schliesslich auch geklärt war und ich ihnen verständlich gemacht habe, dass das ganz und gar kein Witz ist, waren sie zu betrunken, um noch irgendwas anderes zu tun ausser zu lachen. Lisa: Pergamonmuseum pur.

Sonntag, 26. August 2007

Ah, ihre Oma hatte Geburtstag. Ich weiss nicht, wie alt sie geworden ist, aber dafür, dass es nicht annähernd so viele Gäste wie Lebensjahre gewesen sein könnte. Ein Onkel konnte sogar Englisch mit mir sprechen, da er das Jahr 1974 in den Vereinigten Staaten verbracht hat – in Arizona und Kalifornien. Noch mehr Geschichten, von verrückten betrunkenen Studenten in Guatemala. Das ist so nah. Irgendwann mussten wir gehen, da João in einem Fort gerufen hat, er will nach Hause (para casa), und so sind wir Auto gefahren, damit er einschläft. Den Nachmittag bei Freunden von Rê verbracht und von dort gegen abend in kleinen Gruppen zu ihrem Haus aufgebrochen, wo es Abendessen gab. Pastellos!

So weit das update. Irgendwann mehr. Unterschreiben? Ihr wisst doch, wer ich bin.

27.8.07 15:33


Back again

Ich bin wieder zurück, muss aber noch irgendwann die Schriftfarbe ändern, die die Kessi bemängelt hat. Was ist in den letzten Tagen passiert, werden sich einige fragen, ...

Montag, 27. August 2007

 Hah, furchtbar. Ich war zu faul um irgendetwas zu tun ausser herumzuliegen und zwischendurch Mittag zu essen. Und von im Haus aus betrachtet unterscheidet sich Brasilien natürlich nicht gross von Deutschland oder Italien oder Frankreich (ausser dass es hier verdammt kalt innen ist und die Böden mit irgendwas chlorhaltigem geputzt werden // das erinnert mich an die Rutschen im Palm Beach). Aber sie ist zu ihrer Hüpfstunde (was man da macht weiss ich auch nicht, aber wie sollte man „Jumping Lessons“ sonst übersetzen?) ins Fitness-Studio gegangen. Ich weiss ja nicht, wie das in einer deutschen Stadt ist, aber hier geht jeder mehr oder weniger oft ins Fitness-Studio. Wir waren bis jetzt nur einmal da, um alle zu begrüssen, und das einzige, was permanent meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, war ein Verrückter, der die ganze Zeit auf seinem Laufband gerannt ist, ohne auch nur aufzublicken. Das war wirklich unheimlich. Vielleicht gehe ich mit zu diesen ominösen Jumping lessons, es könnte ja doch was Tolles und nicht Aerobics dahinterstecken.
Abends – alle schlafen ausser mir – klopft ein unheimlicher Schatten an der Tür. Mal abgesehen davon, dass ich erschrecke, wenn überhaupt jemand an eine Tür klopft (das bringt immer so eine kalte Russland-Atmosphäre mit sich, wo sie die Kisten von diesem angeblichen Vaterlandsverräter durchwühlen und ihn an die Wand stellen), war es hier. Es hat sich dann rausgestellt, dass es ihr Vater war, der erst von der Arbeit kam.

 

Dienstag, 28. August 2007

Wieder zu faul für die Schule, dafür nachmittags mit. Mehr oder weniger interessant. Dann bei Skill und zum ersten Mal in einer richtigen Academia. Ich glaube, manche Übungen sind genau stumpfsinnig wie die Leute selbst, zum Beispiel stundenlanges Joggen auf dem selben Fleck oder Walken ( ‚I’m fat, not crazy' ) auf dem Laufband. Andererseits ist anderes ganz lustig, ein bisschen Kraft kriegen für Tsukis und so weiter. Abends haben wir bei Marcia übernachtet. Es war verdammt kalt, obwohl ich direkt vor dem Ofen gestanden bin, bis meine Hose schon gekokelt hat. Shaking in the kitchen. Aber ich mag Käsebrote, der Teig dazu ist nämlich aus Käse, und diese seltsamen Pizze, die sie gemacht hat. Instant food ...!  Ich musste mir auch die DVD ihrer (Rês) 15-Party anschauen. Ich glaube, sie hat mein Staunen als Entsetzen gewertet, aber ich kann nicht anders: sie sind so klein und sehen aus wie auf einer Hochzeit ohne Bräutigam. Ziemlich traurig. Aber so viele Leute und der Aufwand und die Security. Das ist ?

 

Mittwoch, 29. August 2007

Wieder mit in der Schule. Sehr frühs. Nach einem perfekten Vollmond in klirrender Kälte nachts ein strahlend blauer Wintertag. Endlose Portugiesisch-Stunden. Ich hätte nie gedacht, dass es etwas langweiligeres gibt als die Deutschstunden beim Englmaier. Aber das ist es. Wenn man aber aufpassen will, nimmt man den Stuhl und setzt sich nach vorne. Sonst ist das gar nicht möglich.
Aber dann: Aus! Mittags war es sehr heiss, wärmer als ein August-Sommertag. Draussen gesessen und Chimarrão getrunken unter dem Orangenbaum mit seinen Blüten. Und: ihre Cousine (oder wie sie auch immer verlinkt sind), die ich schon am Sonntag getroffen habe, studiert irgendwas Soziales und kennt Kerouac. Ich sitze da und sie kommt und fragt mich (auf Englisch; sie sagt sie hat Englisch aus den Orginalversionen von Filmen gelernt), ob ich Jack Kerouac kenne, denn sie lese da im Moment ein Buch, das hiesse „On the road“! Mich! Fragen! Ob! Ich! Kerouac kenne! Und die Beat Generation! Verdammt, das ist das erste Mal, dass ich jemanden treffe, der nicht nur von ihnen gehört, sondern sie auch gelesen hat. Ginsberg, Bourroghs, Corso. Ha! Es fasziniert sie anscheinend, obwohl sie noch nicht ganz durch ist. Dann hat sie mir von einem Freund von ihr erzählt. Und zwar, weil ich sie nach den Schienen unten in der Stadt gefragt habe, auf denen höchstens einmal pro Tag ein Güterzug vorbeifährt. Langsam. Personenzüge fahren hier schon lange nicht mehr. Und der Freund, der jetzt in Buenos Aires studiert, hat doch wirklich zwei Kumpels eingepackt und ist mit ihnen zu einem Zugstopp gegangen und hat den Lokführer gefragt, ob sie mitfahren dürften. Auf diese Weise – und mit Anhalten – sind sie durch ganz Südamerika gereist. Diesen Zug ...
Nachmittags dann zu diesem mysteriösen Sport namens „Padel“, glaube ich jedenfalls. Ich bin gar nicht so schlecht, zumindest nicht im Vergleich zu den sportunlustigen Mädchen in Santiago; das ist noch chaotischer als der Schwimmunterricht bei Böhm & Co. Anstatt zum Fitness-Studio zu laufen – unserem nächsten Ziel; das ist doch kontraproduktiv, oder zumindest nicht fördernd – hat uns Mario im Auto mitgenommen. Auch dort wird übrigens Chimarrão getrunken. Dann nach Hause und wieder zu Karate. Ich hatte jedenfalls das Gefühl, etwas mehr zu verstehen als das letzte Mal. Ausserdem: Joh: hab ich herrausgefunden, warum ich nach dem Gyaku Zuki immer auf der Seite bin. Jetzt muss ich es nur noch umsetzen. Abends: Grêmio-Spiel im Fernsehen. Sie haben verloren, aber das macht nichts: erstens hat die rivalisierende Mannschaft, Internacional, auch verloren (für die Mächen) und es gab Negrinho (für mich). Ich hätte letzteres einfach mit Pudding erklärt, aber vielleicht tue ich den portugiesischen Köchen und ihrer furchtbar süssen Kondensmilch damt Unrecht. Also: Negrinho ist eine Mischung aus Kondensmilch, Butter und Kakao. Sehr gut, abends, vor dem Feuer.

Hm, und gestern? Wir haben abends bei Marcia und ihrer Schwester (die mich irgendwie an die Sylvie erinnert und mir gesagt hat, sie hat genau so ausgesehen wie ich als sie jünger war) Hotdogs gegessen. Das ist nicht zu verwechseln mit dem typischen amerikanischen Hotdog, den wir alle kennen und deren Imitationen wir in Deutschland kaufen können, sondern es ist eben ein brasilianischer: es ist etwa so wie Würstchen-Gulasch, das füllt man dann ins Brot, tut noch Mais und Ei und Oliven und Salat und noch viel mehr Dinge dazu und isst es dann. Für alle die, die zuerst an mehr oder weniger ansprechendes amerikanisches Fast food gedacht haben und jetzt enttäuscht oder gar angeekelt sind:--> ich bin vielleicht an einiges gewöhnt, Internatsessen und so, aber das ist gar nicht schlecht. Es schmeckt gut. Trotz meiner Abhärtung durch die Fertig-Ravioli vor den Ferien in Würzburg schrecke ich nach wie vor davor zurück, diese fleischfarbene Mischung aus Mayonnaise und Ketchup zu probieren.

Entgegen meiner Befürchtungen mussten wir nicht ihre DVD noch mal anschauen, sondern haben nur vor dem Feuer gesessen. Allerdings lief nebenher Big Brother Brasil, und da ich wenig verstanden habe von den Verwandten und Bekannten, über die sie gelästert haben, hab ich da zugesehen. Und im Hintergrund kam entweder dieser seltsame HipHop, oder die Broadcasterin (nein: Sprecherin) wurde ständig von dieser gepfiffenen Melodie begleitet, die mich an irgendeinen Massenmörder in einem Film erinnert. Ich bin mir aber nicht sicher, woher ich das kenne, ... Es hat jedenfalls genau denselben Effekt auf mich wie das Pfeifen als einziger Bestandteil der Filmmusik in diesem Fritz-Lang-Film von 1930. (Weisst du noch, Lisa, wie ich mal so erstaunt war, dass das für die Leute damals war wie ein aktueller Krimi.) Denn immer wenn dermit "M" markierte Kindermörder auftaucht, pfeift es. Uh-huh. Irgendwann sind wir nach Hause gefahren, durch die nächtliche Stadt.

Weiteres später, ich erfülle nämlich eine Tradition und bin der letzte beim Mittagessen ...

Ach ja: gestern nachmittag haben wir noch einen Film gesehen. Und zwar: einen deutschen! Und nicht irgendeinen deutschen, sondern Engel + Joe, oder "Christiane F. - Die Neue Generation", oder wie auch immer die deutsche Orginalversion heisst. Auf deutsch! Zuerst habe ich nicht mal etwas verstanden, aber nach einigen Minuten ging's dann. Jedem, der weiss, mit welcher Hingabe ich das Orginalbuch gelesen habe, und auch mitgekriegt hat, wie ich die Barbara nicht umstimmen konnte, diesen Film zu sehen, wird klar sein, dass ich diesen Film gern gesehen habe. Und der Anfang spielt genau an der Stelle, wo ich am 6.August gesessen bin und der Kameramann vom WDR zwangsweise 2 junge Punks interviewt hat (sie waren dann ziemlich verlegen und wussten nicht, was sie sagen sollten) und ich von hinten im Bild zugesehen habe (also: falls ihr mal WDR seht, haltet Ausschau  ). Ausserdem schimpft man im brasilianischen TV nicht mit dem naheliegenden Wort "merda", sondern umschreibt dies mit dem gleichbedeutenden, für deutsche Ohren oder Augen etwas verwirrende "droga" (gerade bei diesem Film).

Mal sehen, was noch kommt: nach den endlos langweiligen Englischstunden in der Englischschule (wo wir nachher hingehen um den anderen austauschwilligen bei dem Ausfüllen ihrer Application zu helfen) werde ich heute dort selbst wahrscheinlich (oh nein> was für eine augenfeindliche Aneinanderreihung verschiedenster Adverbien) meine erste Portugiesischstunde haben. Irgendwann werde ich vielleicht verstehen, was um mich herum los ist.

Ach ja, Lisa: es ist ziemlich schwierig, zu schreiben, wie man etwas ausspricht, denn sonst würde man es ja nicht schreiben ... take it? Noch dazu sind meine phonetischen (du weisst schon: das furchtbare, jeden Französischschüler abschreckende Alphabet in den eckigen Klammern) Fähigkeiten begrenzt. Ich versuche es nicht. Auf jeden Fall wird das "J" gesprochen wie "sch", aber ganz leicht, wie das "s" in "désert", und das "ã" so wie das "er" am Ende von deutschen Substantiven, zum Beispiel in "Wasser". Im grossen und ganzen versucht man das "ã" so zu umgehen, wie wir für die Endungen der finnischen Substantive auf dieser Seite im Internet vorbereitet wurden. Du erinnerst dich? So leise werden ... //

Ferner hat mir ihre Cousine erzählt (dieselbe, die Kerouac liest), dass es bei ihr (sie lebt und studiert in Santa Maria (etwa 2 h von hier, also very near) am Samstag immer (oder nicht immer?) irgendein Showkampf oder Vorführung gibt mit Jiu-Jiutsu und Capoeira unter anderem. Vielleicht will dein bester Freund, Sgt. Murphy, dass ich genau dann dort auftuache, wenn das Ganze stattfindet. Wir werden sehen.

Und an alle, die am Montag in München waren und jetzt noch Milo-Verrückter sind als zuvor: ich freue mich schon auf Deutschland ...

31.8.07 13:24





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