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Also, weiter geht's in der Berichterstattung. ABer nicht lange, nur so lange, bis ich die Mango vor mir aufgegessen habe, dann gehen wir nämlich ins Fitness-Studio.

Freitag: noch eine Woche bis zum 7. September, grosser Schulfeiertag hier, vor dem Schulgebäude schreitet die Kapelle auf und ab, nur Schüler, niemand kann sich konzentrieren, aber was soll's. Das ist Nationalstolz. Ausserdem der letzte Augusttag. Die erste Portugiesich-Stunde. Noch nicht sehr viel dazugelernt, aber ich kann wenigstens offiziell meinen Namen sagen fürs Rotary-Meeting heute abend. Ah, dieser Kerl, der auch im Fitness-Studio ist, nervt und schon seit Tagen damit. Ausserdem heisst das @ hier arroba (glaube ich jedenfalls). Abends wieder bei Karatê (hier mit Dach, in France mit accent) und ich glaube, ich verstehe langsam. Die einzige Schwierigkeit liegt nach wie vor in meinem Mangel an Gleichgewichtssinn sowie in meinem Unverständnis, links und rechts seitenverkehrt umzudenken.

Abends waren wir in der Disco. Noch nie habe ich im Laby irgendjemand gekannt (fast niemanden), aber da gehe ich weit weg in einer neuen Stadt in eine Disco und kenne den Barkeeper. Die Musik war nicht gerade nach meinem Geschmack, aber was soll's. Ausserdem geht man hier immer erst so um halb zwölf oder später weg, früher ist sowieso noch niemand da. War doch ganz nett, ihr Vater hat uns auch wieder abgeholt.

Am nächsten Tag sind wir zu den Riunen von São Miguel und nach Argentinien ins Casino gefahren ... weiteres später, wenn ich fit bin

3.9.07 20:15


Ob ich jetzt fitter bin? Verglichen mit manchen Karate-Trainings ist das reine Entspannung dort.

Aber ja, die Ruinen: Sind sehr schön, aber das Ganze hatte etwas Unheimliches, man hat nämlich schon von weitem die Leute singen hören wie in mittelalterlichen Kirchenchören. Überall diese typischen Figuren mit den fetten Engeln der Barockzeit, aber alles verrottet ... sehr cool. Und sie waren aus Sandstein. Das Gebäude natürlich. Und die Erde ist dort überall rot, richtig rot (wie in dem Slime-Lied) und der Kontrast mit dem grünen Gras ist wunderbar.

Wir sind (Si und ich) weiter nach hinten, dort waren die Ruinen von gemauerten Zellen, in die die Missionare die Zeugen ihres Misserfolges, nämlich Indianer, die keine Katholiken werden wollten, eingesperrt haben. Ich wurde unterrichtet, dass dort auch viele Knochen gefunden wurden. Was das heisst, kann sich jeder selbst denken ...! Intoleranz auch hier.

Hinten im Gestrüpp haben wir einen Advokado-Baum gefunden. Und es gibt hier Pflanzen mit Punkten drauf und noch viel mehr. Draussen auf der Strasse haben wir mit Chimarrão und Bolo auf die anderen gewartet und Si hat mir Papageien gezeigt, ganz giftgrüne. Die Strasse typisch. Staubig, schnurgerade, mit Palmen in der Mitte. Und brasilianischer Himmel. Es war schon ziemlich spät, 4 oder 5 nachmittags, denn wir sind um angenehmerweise halb 2 weggefahren, nicht wie bei uns zuhause, wo sich nach 7 Uhr frühs nichts mehr lohnt ...

Weiter auf die grosse Strasse, Richtung Argentinien. Es fängt langsam an zu regnen, grosse dicke Tropfen fallen auf die Windschutzscheibe, das letzte Stück glühender Ball ist verschwunden, und zurück bleibt nur der brennende orangene Schimmer am Horizont, der in ein Feuerrot übergeht und von den dunkellila Wolken verschluckt wird. Blitze hier und dort (ihr erinnert euch noch an das Gemälde dieses Highways, so in rot-braun-lila gehalten, mit dem Blitz genau über der Strasse, das hinten im Kunstsaal neben so vielen anderen an der Wand gelehnt hat, und wir schliesslich entdeckt haben, dass es fantasieloserweise aus dem EMP-Katalog abgemalt wurde? Etwa so), alles für den Bruchteil einer Sekunde in Tageslicht tauchend, und dann wieder Regen und Dunkelheit. Irgendwann dann am Rio Uruguay angekommen, der nämlich die Grenze zwischen beiden Ländern ist. Wir haben nicht viel gesehen, da es dunkel war (mittlerweile stockdunkel; Faf: Ochsenfurt), aber den Lichtern zufolge, die im Wasser reflektiert wurden, muss der Fluss sehr breit sein. Ohne Krokodile oder Alligatoren oder sonst etwas, was man von einem südamerikanischen Fluss erwarten würde. Piranhas!?

Zum ersten Mal in Argentinien, im Land der Fussball-Mannschaft, die ich seit dem Confed-Cup 2005 unterstütze, seit dem Moment, in dem der Lux in Nürnberg gespielt hat und wir nicht hingefahren sind. Aber, wie erwähnt, nicht viel gesehen, ausser dem Casino. Ich war zuvor noch nie in einem Casino, die anderen haben natürlich gepokert, doch da ich davon auch schon gelangweilt bin (Felix: das ist richtig mainstream geworden, seit etwa einem Jahr erobert dieses Spiel abendliche Runden und Sport(!)-Fernsehsender), hab ich nicht zugeschaut.

Auf dem Weg zurück: der Mond ist hier anders als in Europa. Und zwar steht er, wenn es Halbmond ist, nicht aufrecht da, sondern es ist die obere Hälfte weg, nicht die linke oder rechte. Es sieht aus, als hätte man die Kugel von oben nach unten durchgeschnitten und sie wäre dann umgekippt (wie der Smiley, gut zur Veranschaulichung des Sachverhalts: ). Ach ja: wenn meine Umrechnungen richtig sind, verkaufen die Argentinier Diesel für weniger als 50 Cents oder ...

Und Sonntags? Viele Leute da zum Mittagessen (mit Negrinho!), dann alle gegangen und wir aufs Land gefahren. Das heisst, 10 km weiter. Das Dorf ist toll: die Strassen sind mit Gras überwachsen, richtig grün. Sieht schön aus. Berge im Hintergrund (ich habe sie natürlich gefragt, ob sie schon mal oben war), überall Kühe (denen ich nicht mehr so vertraue seit letztem Samstag). Unten war der Fluss, sehr schön, reissend, wir haben uns auf einen Stein mittenrein gesetzt. Da hätte ich für den Rest des Tages bleiben können. Ein reissender Sturzbach. Im Garten viele Mandarinenbäume. Diese kleinen Früchte, die wir in riesigen Kisten im Dezember kaufen (endlich!) und dann mühsam im Physiksaal essen oder vor dem Fernseher, wachsen hier einfach im Garten. Und rosa blühende Pfirsichbäume (glaube ich) und Bananensträucher. Und brasilianischer Klee, der riesig ist. Ihr Vater hat - wie ich erfahren habe - im Jugendteam von einem berühmten Fussballverein gespielt (bei Internacional?), musste aber aufhören. Ich hätte ihm stundenlang beim Jonglieren zusehen können. Irgendwann ... kann ich das auch.

Gestern abend beim Rotary-Meeting. Die waren sehr nett, ich wurde mindestens hundertmal umarmt und geküsst (wer kann sich schon an die ständige Küsserei gewöhnen?). Dann ein stundenlanges Reden (sogar ich, auf Portugiesisch!) dieser ganzen sich wichtigmachenden Leute, hinten auf dem Tisch wird das Essen kalt (riesen Teller mit wenig drauf), es ist schon spät, und die hören und hören nicht auf. [Papa, das sind deine Gene.] Für das Fleisch bräuchte ich unser Lieblings-Dauerwerbesendungs-Titanium-Messerset (--> Nele), aber gut. Ich will mich nicht beschweren. Ich habe jetzt eine Fahne, die ich nach Deutschland mitbringen und irgendwie den Rotariern zukommen lassen sollte. Irgendwann aufgebrochen ... es hat eine halbe Stunde gedauert, bis die uns gehen liessen.

So viel bis jetzt, mal sehen, was mir irgendwann noch einfällt. Ach ja, die ganzen Orangenbäume.

Und wohin komme ich zurück? Apfelbäume.

SYL.T

4.9.07 16:06


SEQUEL (1957 ?)

Also, das sollte eigentlich ein ziemlich langer und wohlformulierter Eintrag werden, da spielt aber dieses Internet nicht mit und hat es VERHINDERT!
Deshalb: Kurzform.
Zuerst: Papa, hast du’s gekriegt? Ich meine die Email, und: sprich’s nicht aus. Sag nur ja oder nein. Wegen dem Schriftstück muss ich noch überlegen, denn da weder die Brasilianer noch die Argentinier noch die Paraguayaner Englisch verstehen („..., denn da Sie kein Telefon haben ...&ldquo, muss ich mir das irgendwie auf Portugiesisch oder Spanisch zusammenbauen.
Ha, ich habe gedacht, der Andi und der Felix sind extrem, was den Fussball angeht (Cottbus vs. Fürth). Aber gegen die Leute in Rio Grande do Sul seid ihr gar nichts, Jungs! Denn: ein bis dato Unbekannter wird zunächst mit den normalen Worten begrüsst „Oi, todo bom“, auf die sofort folgt: „Grêmista ou Colorado?“ Ich habe schnell erkannt, dass die einzige Taktik, da wieder lebend raus zu kommen, gar nichts zu sagen ist. In letzter Zeit habe ich ihnen aber „ASV!“ gelernt, damit die Brasilianer auch was wissen, wenn wir eines Tages mal berühmt sind. Könnte zwar noch etwas dauern, aber wie war das mit der Hoffnung?
Fitness-Studio war ich wieder und auch im Karatê lasse ich mich nicht hängen (nur bei den Klimmzügen an der Stange, haha, war das ein Zeugma?), sondern trainiere fleissig und fast regelmässig. Am Mittwoch sind wir die Bassai Dai gelaufen. Sehr schöne Kata. Man braucht auch nur wenig Gleichgewicht dafür. Ausserdem verstehe ich langsam, was er mir sagen will. Und zwar, dass die Heian Sandan die einzige Kata ist, bei der man nach links rausgeht, bei den übrigen würde man so von der Mitte aus anfangen. Seltsam, aber das Resultat ist überzeugend: ich bin tatsächlich an dem Punkt angekommen, wo ich angefangen habe, wohingegen ich sonst immer ein paar Meter weiter hinten bin. Und der Zweck usw. Ausserdem komplettes Bunkai der Bassai Dai gesehen (puh!, denn ich kriege dieses ständige links-rechts-Denken nicht hin). Ziemlich cool. Mal sehen was ich noch mitnehme nach Deutschland. Heute wird’s aber wahrscheinlich nichts mit dem Training, denn wir fahren weg.
Oh, in der Küche war gerade ziemlicher Radau. Daraus, was die Rê gerufen hat, schliesse ich messerscharf, dass sie ihrer Verwandten (die wir bei ihrer Oma, wo wir zum Essen waren, getroffen haben und die zu meiner Erleichterung Englisch und Französisch spricht) gerade die Bilder aus Europa zeigt (Wer könnte genauso gezielt schlussfolgern, wenn er hört „It’s not allowed ... at the Colosseo“? Ah, ich kann’s nicht mehr hören! Der Martin hat mirzuliebe wenigstens irgendwann damit aufgehört, aber sie kann’s nicht lassen. Ugly yellow hats?). Das ist in der letzten Woche sehr oft geschehen. Ich glaube, ich kann anhand dem Klicken von der Fernbedienung schon erkennen, was für ein Bild gerade gezeigt wird. Aber sie hat noch mehr ...
Ach ja, Laura & Mühri (und alle Würzburger Freunde, die ihre Adresse hinten auf den K13-Stundenplan geschrieben haben, in der Erwartung, eine Postkarte von mir zu bekommen): dass ihr die noch nich bekommen habe, liegt nicht daran, dass ich wie üblich ncihts auf die Reihe kriege, sondern daran, dass es in dem Kaff hier keine Postkarten gibt. Sobald ich eine sehe, schicke ich sie an euch. Wenn ich’s dann auf die Reihe kriege ...
Ausserdem wieder Padel gespielt. Aber wir waren nur zu viert. (Es gibt hier einen Ausdruck für „vorgeben krank zu sein, um nicht zur Schule bzw. zum Sportunterricht gehen zu müssen, in Wirklichkeit aber zu Hause sitzen und lernen oder mit irgendwem feiern“, den ich zwar einigermassen aussprechen, hier aber nicht aufschreiben kann, da ich keine Ahnung habe, wie das buchstabiert wird, und jede Idee furchtbar aussieht. Vorhin jedenfalls. Jetzt steht mir aber tatkräftige Hilfe zur Seite, die vorhin noch mit Bilder-aus-Europa-zeigen beschäftigt war. Na gut: „duenti“. Aber der kommt hier unbedingt rein. Solche Worte sind schliesslich immer gefragt.)
Gestern bin ich zum ersten Mal in die wirklichen Geheimniss der brasilianisch-italienischen Küche eingetaucht, auf die ich (zumindest teilweise) ihre ausgeflippte Gewissenslosigkeit zurückzuführen können glaube (so?!). Ich habe Schokoladen-Pizza probiert. Was mich zunächst davon abgehalten hat, war weniger die Kombination salzig-süss – im Gegenteil, das mag ich sogar gern – sondern eher die Tradition der italienischen Pizza. War aber doch ganz gut, sogar mit Mayonnaise. Allerdings weigere ich mich nach wie vor, Ketchup mit Mayonnaise zu mischen (das sieht aus wie das menschliche Gemisch in dem WIZO-Lied Tod im Freibad. Wer’s kennt, wird wissen was ich meine, wer sich’s anhören will, soll sich’s anhören, wer sein Essen weiterhin damit würzen will, sollte es besser lassen ... eigentlich sollte sich jeder, der in Zukunft irgendwann noch mal was essen will, das Lied besser nicht anhören. Aber es erinnert mich so schön daran.).
Dann sind wir ein bisschen gefahren. Übrigens feiern hier die Leute gleich an der Tankstelle. Warum sind wir da noch nicht draufgekommen? Das ist doch naheliegend und praktisch. Was man braucht, und viele Leute. Die belagern hier regelrecht die Tankstellen jede Nacht. Aber schön. Winternächte in Deutschland verbringt man nicht mit kurzen Hosen und Freunden im Freien (2 Stilmittel, von dem ersten weiss ich den Namen nciht, das zweite ist Anapher oder so was mit A, haha). Das, was man seit dem Blumentopf(?)-Lied (ich hab nie gewusst, von wem das Lied war) bei uns Cruisen nennt, ist hier wieder mit so einem ominösen Wort beschrieben (das ich nur mit Mühe und Not aussprechen, aber nicht buchstabieren kann. Und meine tatkräftige des Portugiesischen mächtige Helferin ist gegangen. Deshalb: das „nächste Mal, wenn’s wieder heisst: ‚wichtige portugiesische Wörter der jugendlichen Alltagssprache und wo man sie besser nicht benutzen sollte’“. Oder so ähnlich.).
Ah, heute ist Unabhängigkeitstag. Denn seit dem 7. September 1822 ist dieses Land endgültig frei (inwiefern wirklich, das weiss ... hm, wer eigentlich?). Es ist endlich die Woche vergangen, in der ich hundertmal erklären musste, warum wir sowas nicht haben, sondern einen Einigkeitstag (und wie sagst du das auf Englisch? Sogar im Radio-Interview. Ich bin sowas wie BERÜHMT). Heute war die grosse Parade. Fast so wie Kerwa-Umzug oder 1.Mai in Uffenheim (das waren noch 5-Kampf-Zeiten), bloss mit richtiger Militärmusik und Soldaten und Trillerpfeifen überall ... und ICH mittendrin. Wer weiss, wie gut ich Trillerpfeifen finde? Das hat so was Hetzendes und ist einfach unfair. Wenn schon irgendjemand glaubt, er muss sagen, was ich als nächstes am Besten tun soll, dann soll er es gefälligst wenigstens aussprechen und nicht einfach pfeifen (endlich hab ich’s auf den Punkt gebracht. Jetzt weiss ich auch, was ich antworte, wenn ich das nächste Mal gefragt werde, warum ich die Dinger hasse(!)). Aber sogar die 2-jährigen wurden da mitgetrieben. Aber sie freuen sich und das ist die Hauptsache.
Ach ja: Mama & Papa: der Felix erinnert mich gerade daran, dass die Schule noch nicht weiss, dass ich am 11. September planmässig NICHT in Würzburg bin. Ausser der Frau Fernandes, der ich das schon mitgeteilt habe. Aber vielleicht könntet ihr das noch machen? Entweder ich hab das vergessen, als ich mich nicht länger als nötig mit unserem umgänglichen Direktor unterhalten wollte, oder ich habe mir gedacht, wenn ich schon weg bin, können sie mich nicht nerven. Ist schliesslich letztes Schuljahr und so. Aber ich seh das nicht so eng.
Da fällt mir meine Facharbeit ein, oder besser das, wofür ich noch kein Thema bzw. womit ich noch nicht angefangen habe. Und Physik.
Kessi (und für alle anderen, die wissen wollen, wann ich zurückkomme): ich plane, am 1. Oktober wieder hier zu sein (dann fahren wir nach Berlin, Isi, Lisa, Barbara? – Welche von den 3en hat jetzt der Schlag getroffen? ). Und dann ... mal sehen was dann kommt.
Oh, wir fahren gleich weg, und ich habe nicht gepackt. Wie immer. Deshalb: das nächste Mal mehr. Wir sehen uns.
JLT

 

Note: jetzt ist er’s doch geworden. Hm, ich bin produktiv.
Ich höre ausserdem, bei euch ist es kalt. Naja, bei uns ist’s halt Winter. So 21°.
7.9.07 21:08


Nur kurz, denn: ich sitze in Santa Maria vor Sis Computer (Si ist nicht Rê, sondern einer ihrer Freundinnen, Verwandten whatever und studiert hier und wohnt hier. UND siel liest Kerouac!) und weiss nicht wie lange ich noch hier bleibe und es ist schon spät.

Wir haben die Stadt gestern abend erreicht, mit Lichtern und Palmen in der Mitte und so, aber nach den hier weniger verpflichteten Verwandtenbesuchen bei Sis Familie gesessen (neulich waren sie erst bei uns in Santiago. Und ihr Vater ist der really crazy uncle. Einer von den beiden mit dem tiger. Als er sich von mir verabschiedet hat, hat er laut "back to the horrrse" gerufen, anstatt "house", wie in Rês Mutter aus der Küche verbessert hat. Wohinauchimmer er zurückgegangen ist, wir sind jetzt da.). Erst heute morgen die Stadt geentert und das Phänomen der süd- bzw. überhaupt der amerikanischen Städte aufzudecken: die fehlende Altstadt. Naheliegend, logisch, aber verblüffend. Und Santa Maria ist mindestens so hügelig wie San Francisco, wenn nicht Ippesheim. Ohne es zu wissen, scheine ich wieder Leute so zu beeinflussen, dass sie sich verfahren. Dabei wollte ich in die Bar, wirklich.

Und die Palmen in den Strassen. Hier gefällt es mir, in ihrem Haus, denn sie wohnen in einer Art Vorort (nicht zu vergleichen mit Bromley oder ähnlichen Orten, an denen man nachts verloren und orientierungslos ist; das hier ist gar nicht so verschieden von einem Dorf, mit Nachbarschaft, Hunden, Katzen, Kopfsteine und Bäumen). Nachts ist es leise bis auf Hunde und Frösche. Und man kann draussen sitzen, obwohl sie mir versichert hat, es wäre immer sehr kalt. Heute in Santa Maria Temperaturen wie in Rom - wir sind an einem Schild vorbeigekommen, das 39° angezeigt hat - und ja, Celsius, und nicht Fahrenheit. Ausserdem bei ihrem geliebten Mac, wo ich zum ersten Mal Maracuja-Saft gekriegt habe. Bei Mcd.

Lisa: was für ein Geschwafel? Leider kann ich nur lesen, was man offenbar nicht lesen können soll, auch ohne irgendwas freizuschalten. Vielleicht finde ich's ja noch irgendwo. Aber heute habe ich auf der Strasse eine Capoeira-Gruppe gesehen. Mit Musik und Akrobatik. Sieht mehr wie Tanz aus, aber Si hat mir versichert, die könnten sich auch verteidigen ... ich habe ein paar Bilder gemacht. Countdown also: noch 3 - nein, 2 Tage bis zum letzten Schulanfang unseres Lebens - und ich bin nicht da. Wie die Barbara das vor etwa einem Jahr ausgedrückt hat. "Oh Gott, morgen - k12". Tja, das ist Vergangenheit. Wo kommen wir hin? Und vor allem - was machen wir dann da? Neuseeland scheint ein beliebtes Ziel junger Leute zu sein. Aber das hier ist so verdammt gross - in der Zeit, in der wir bis nach Solingen gefahren sind, also das ganze Land durchquert haben, fahren wir hier gerade bis in die Hauptstadt des Bundeslandes. Dimensionen. ohne.

Irgendwann mehr von Chimarrão, Churrasco, Maracujas, Mangas und Corraçãos (nicht zu fassen: die essen hier chicken hearts - aber die sind mir mit zu viel Fett; ausserdem habe ich die ganze Zeit das Rehherz vor Augen). Bis dahin

9.9.07 01:27


Hah, ich bin zurück. Noch ein Ride, aber schon sehr früh am morgen. Wer hält das aus.

Ich hab noch ein deutsches Mädchen getroffen, sie bleibt aber ein ganzes Jahr und spricht etwas mehr Portugiesisch als ich (sie hatte aber schon 2 Monate Unterricht, bevor sie herkam. Puh!). Hm, wer kennt mich? Und sie wohnt in Paraná.

Wieder mit in der Academia. Das macht allmählich richtig Spass, obwohl ich doch den Gedanken nicht aus dem Hinterkopf schütteln kann, dass es hirnrissig ist, ewig auf dem selben Fleck zu strampeln oder zu hüpfen. Es war so heiss oder so anstrengend, dass ich hätte schwimmen können.

Dann zu Karatê. Zuerst VIEL Kumite. Jeder war müde, aber ich war erst am Anfang ... Allerdings liegt es hier nicht daran, dass die anderen nicht mehr laufen können. Gummiboden! Ich hoffe, ich bin auch dabei, ein bisschen mehr Reaktion zu entwickeln, um eines Tages der Meike die Schnecke zurückzugeben Hm, die fehlende Mimik muss man hier eben durch die Smileys ausdrücken. Zum Schluss noch ein bisschen Kata. Und zwar die Bassai Dai. Ausserdem die Enpi anschauen (heisst das nicht übersetzt "Flug der Schwalbe"? Oder verwechsle ich das? Die einzige Kata, bei der man hoch und runter darf?). Und Jitai oder so ähnlich. Hab ich noch nicht gehört, vielleicht nennen sie sie auch anders. Übrigens gibt es hier Rotgurte - klingt komisch, ist aber so. Und die Blaugurte sind lila. Ganz am Ende hat er mich noch die Tekki laufen lassen. Hah, Karatê ist ... sehr schön.

Also, ich weiss immer noch nicht, was die Lisa mir anscheinend Wichtiges mitteilen wollte. Ausserdem habt ihr noch sehr wenig Zeit. Und zwar sind es noch etwa dreieinhalb Stunden (für die Würzburger 5 Minuten weniger - an diese seltsamen Zeiten werde ich mich nie gewöhnen) bis zum Schulanfang. Und ich bin nicht da. Dann gehen auch die letzten wieder zurück. Beziehungsweise fangen ja dieses Jahr einige an zu arbeiten. Für euch ist es sowieso vorbei, Jungs. Viel Spass in einer Welt, die ich mir nie (das heisst für einen jungen Menschen: nicht in den nächsten 7 Jahren. Da fällt mir die Tatsache ein, dass manche diese Zahl 7 für eine besondere halten, manche gar für die Zahl des Teufels. Zumindest jedoch Blues-Fans kennen es auch aus dem alten Hoochie Coochie Man von Willie Dixon. Auf jeden Fall schön zu malen.) zu betreten wünsche. Ich kann es nicht nachvollziehen, wie man darauf hinarbeiten kann. Und doch ist das genau das, was ich tue. Ich bin immer noch auf dem direkten Weg dorthin, auch wenn ich mir alle Mühe gebe, davon abzukommen. ("You are under ..." - "Verdammt, glaubst du denn auch das, was über mich erzählt wird?" -- Eine Diskussion über Recht und Gesetz und wie sie uns in ihren Bann zieht. Aber halte es nicht allgemein, schliesslich sollte man wissen was gemeint ist. SAY IT - don't spray it nor mumble nor stammer nor whisper.) Gerüchte sind natürlich trotzdem so gemein wie gefährlich.

Wie, du gibst dir alle Mühe, aber du verstehst mich nicht? Was soll ich dazu sagen? Ich habe dieses Gefühl schon seit einiger Zeit.

Aber "ich bin nicht faul, ich hab nur einfach keine Lust ...". Zum Glück ENTER.

Zum Schluss: ich freue mich schon, euch alle irgend w a n n wieder zu sehen. Übrigens übertragen die hier Full House. Würde mich schon reizen, das mal auf Portugiesisch zu sehen, das einzige, was mich davon abhält, ist die unmenschliche Sendezeit: Sonntag frühs um zehn ). Wer sitzt da vor dem Fernseher?

--cut. Das war's. (Das reicht jetzt!)

SylT

10.9.07 23:40


Neu!Neu!Neu!

 

Ich glaube, so viele bahnbrechende Neuerungen auf einmal kann ich nicht vertragen. Das muss ich erst mal verdauen, dann wahrnehmen und dann erst feststellen, dass sich das fast gar nicht auf meinen momentanen Tagesablauf (auf den in der nahen Zukunft wahrscheinlich auch nicht) auswirken wird. Aber schockierend ist es trotzdem.

 

Der Herr Geyer geht in Rente. Nein! Zuerst habe ich für nicht wahr gehalten, schliesslich geht dieses Gerücht jeden September um, seit dem wir an der Schule waren, sprich '99. Aber die Lisa wird sich schon was dabei gedacht haben, als sie das hier (für jeden einsehbar) reingesetzt hat. Ausserdem: du willst was?! Ich habe ja (in Mangel an Fantasie und der Ausdauer, mir darüber weiter Gedanken zu machen) immer noch auf das Bostoner Bürogebäude getippt, aber dass du dort Praktikum gemacht hast, sowie die Tatsache, dass du überhaupt schon Praktikum gemacht hast, schockiert mich zutiefst! Was ist daran toll? Wahrscheinlich schockiert es niemanden meiner treuen Leser, dass jemand im letzten Schuljahr ein Praktikum macht, um die Arbeitswelt, in die man in näherer oder fernerer (?) Zukunft einzutreten plant, etwas besser kennenzulernen bzw. sich darauf vorzubereiten. Da ich aber noch nicht einmal darüber nachgedacht habe, auch nur einen Finger für so etwas wie Arbeit-und-dafür-bezahlt-werden zu rühren, kommt es für mich ziemlich überraschend, dass das in meiner unmittelbaren Umgebung geschieht. Bei den Jungs ist das was Anderes: sie arbeiten jetzt schliesslich richtig. Aber ich habe immer gedacht, den Gymnasiasten als absoluten Theoretikern ist nichts anderes als der Weg einer leichten akademischen Karriere vorgezeichnet. Dass man damit auch was Anderes anfangen kann, habe ich niemals realisiert. (Natürlich war ich niemals so krass naiv, aber ... Arbeit? – Nein danke!) Wie auch immer, das Ganze klingt sehr entschlossen und rational überlegt. So richtig mit Konsequenzen?

 

Weiter zu etwas angenehmeren Neuigkeiten. Ein neuer Mathelehrer? Besser als der Leberecht? (Wer meiner ehemaligen Mitschüler empört sich jetzt mehr oder weniger lautstark? – Die ewige Abstimmerei hat unsere Klasse für den Rest des 11. Schuljahres entzweit.) Aber Grieche? Haben wir nicht einen griechischen Metzger (DIES ist ein Witz. Jeder, der weiss, worum es hier geht, wird dringenst darum gebeten, kein Wort darüber zu verlieren, um Gerüchten vorzubeugen. Das ist wichtig.)? Ausserdem ist „der Grieche“ Grieche, wie der Name unschwer erkennen lässt. Hm, da sieht man, was man davon hat, wenn man jemanden nie bei seinem richtigen Namen nennt: ich hab ihn vergessen. Er mich aber nicht: als ich sie am 18. Juli besucht habe, hat er mir wie immer irgendwas erzählt und hat Fussball gespielt. Hah, ich weiss es: Jonian hiess er. War ziemlich seltsam, die Zeit. Wie auch immer, ich habe natürlich nichts gegen Griechen. Ich würde ihn ganz gern mal sehen. Das heisst, ich plane euch wieder irgendwann zu besuchen.

 

Ausserdem verändert sich meine Heimat mehr und mehr. Uralter Punk, Leute, die meinen, sie würden MIR immer ähnlicher, und das zu vermeiden suchen, sowie fast schon rebellische Haltung gegenüber der grossen Welt bei Leuten, die ich fest in dieser Welt verwurzelt glaubte und annahm, sie seien wie geboren dafür. Und jetzt will die Barbara „irgendwohin“. Gefällt mir das? und Vorschläge, Lisa?

 

Weiter zu meinen Neuigkeiten, die neben oben genannten einschneidenden Veränderungen unbedeutend aussehen. Montag beim Training habe ich aufgehört. Dienstag nachmittag war ich in der Schule, aber nur die letzten beiden Stunden, denn sowohl sie als auch ich hatten keine Lust auf die langweilige Literatur-Klasse. Mal abgesehen davon, dass ich von keinem der Autoren je etwas gehört habe. (Warum haben wir eigentlich kein Schulfach „Brasilianische Literatur“? – Aber mal im Ernst. Bei uns wird das ganze Lesen usw. in Deutsch erledigt. Das heisst doch umgekehrt, dass entweder die Grammatik zu kurz kommt oder die deutsche (Schrift-)Sprache zu einfach ist, um gelehrt zu werden. Ich tippe allerdings auf Ersteres, wenn ich mir die Interpunktion einiger Mitmenschen ansehe, ganz zu schweigen von Instant-Messagern wie ICQ, die unsere Sprache vollends verschandeln. [Aber – wer bin ich, dass ich mich vor Veränderung fürchte? Vielleicht, weil ich mir immer noch kritisch anhören darf, ich könnte keinen Dialekt sprechen, mich aber woanders fast niemand versteht. (Note: ich hoffe doch, dass alle wissen, das alles nicht so ernst gemeint ist, wie es aussieht. Um das zu verdeutlichen, müsste ich alles, was ich schreibe, mit Smileys spicken, wozu ich aber zu faul bin (also doch!). Deshalb ] Aber wie? Schliesslich können es nicht mal die Lehrer. Ist nicht der Gross immer wieder darum herumgekommen, deutlich zu machen, wann ein Komma kommt und wann keines?)

 

Nach der Schule haben wir noch darauf gewartet, dass der kleine João mit dem Kindergarten fertig ist (die jüngeren Kinder gehen in Brasilien nachmittags zur Schule. Das ist praktisch! Auch wenn ich mir das für Deutschland umgedreht wünsche). Und währenddessen ist mir Rês Cousin Dudu entgegengekommen und hat gefragt, ob ich nicht mit den Jungs Futsol spielen will. (Futsol ist eine Art Hallenfussball. Zwar kleineres Spielfeld, kleineres Tor und weniger Spieler, aber ohne Bande und mit einer speziellen Art Einwurf. Man schiesst den Ball mit dem Fuss, muss ihn aber vorher mit der Hand berühren. Das ist in Brasilien sehr populär, das müssen sogar die Grundschüler richtig lernen. Und ihr Vater hat sogar einmal die Futsol-Jugendmannschaft von Santiago trainiert, die ziemlich erfolgreich war. Laut Rê ist es sehr verschieden vom Fussball ...) Auf jeden Fall haben wir (sie auch! Sogar freiwillig im Tor) solange mitgespielt, bis es 4.50 Uhr war. Und das ist richtig richtig schnell. Und eines habe ich sowieso festgestellt: der brasilianische Fussball ist nicht engstirnig, sondern viel kreativer und unterhaltsamer. Zwar braucht der Schiedsrichter in Liga-Spielen etwa zehnmal seine gelbe Karte und für jedes Spiel drei Trillerpfeifen, aber die Angriffe kommen viel interessanter. Da wird nicht nur lustlos vor sich hin gelaufen, bis es vielleicht mal aussichtsreich genug aussieht, um loszulaufen, sondern über die Seiten, durch die Mitte, Übersteiger, gelupft ... alles sehr einfallsreich.

 

Gestern Karatê, ich kenne jetzt auch den Weg nach Hause und verstehe sogar, wenn sie mich danach fragen. Bunkai und so weiter.

 

Morgen fahre ich mit vielen weiteren aus Skill (normalerweise langweilige Stunden, heute wieder) an die Grenze zu Uruguay. Ich, weil sich dort die Austauschschüler treffen, die anderen, um ihren Englischtest zu bestehen, der sie dann in die weite Welt hinausführt.

 

Und als ich heimkam, sassen alle im Churrasco-Haus mit einer befreundeten Familie, deren Sohn ein sehr erfolgreicher Futsoler ist und deren Vater die Mannschaft trainiert und mich ausserdem dazu eingeladen hat, mitzuspielen. Also: bin ich heute morgen hin und habe mitgespielt. War sehr cool, ich weiss nicht, wie alt sie waren, auf jeden Fall waren sie grösser. Allerdings wohl noch nicht so alt, da ich fast so gut war wie sie. Und es macht Spass. Hah, ich freue mich schon auf den Winter und auf Hallenfussball. Da muss man nicht so viel rennen.

 

Bis jetzt habe ich nur nachgeholt, wozu ich vorhin nicht gekommen bin. Und ja: ich trage mich auf dem grünen Fleck neben „20. Oktober“ ein. Aber wer ist nicht bei seiner eigenen Kerwa dabei??

 

SYL.T

 

13.9.07 21:06


LIVRAMENTO, URUGUAY & FUSSBALL

Ich bin zurück vom anstrengenden Rotary-Treffen in Livramento. Diese Leute neigen doch manchmal zur Übertreibung, doch von Dänemark her war ich es bereits gewöhnt, einem Club nach dem anderen präsentiert zu werden und viele neue Austauschschüler zu treffen. Ich war der einzige von ihnen, der nur 6 Wochen bleibt, alle anderen waren „long-term participants“, bleiben also mehr oder weniger ein Jahr. Sogar ein Mädchen, das ursprünglich aus Livramento stammt, war bei uns dabei, denn sie war gerade erst aus Deutschland zurückgekehrt, wo sie etwa dreizehneinhalb Monate verbracht hatte. Ausserdem kannten sich zwei, nämlich ein ziemlich gemeiner Kanadier (er steckte voller Sarkasmus und fieser Scherze) und eine davon sehr betroffene und verärgerte Australierin (mit der ich mich sehr gut verstanden habe), schon vom letzten Rotary-Meeting, denn die beiden sind schon seit etwa acht Monaten in Brasilien. Dann waren da noch vier Mexikaner (von denen ich endlich den spanischen Trinkspruch gelernt habe. Lisa, Isi, Barbara: ihr wisst noch wie der Kerl, der dich dann das Geld einsammeln hat lassen, uns diesen seltsamen mallorquinischen Likör gezeigt hat, der mich an Enzian erinnert hat? – „Abacho hidalgo“ usw.), die laut den beiden Skill-Mädchen so gut aussahen, zwei weitere Deutsche (das Mädchen war ein bisschen snob, wie ich mir gedacht habe, aber der Junge war ziemlich nett. Er hat zugunsten seiner Zwillingsschwester auf einen USA-Platz (in der Nähe von Los Angeles) verzichtet; er machte allerdings den Eindruck, als würde er Pfeffer essen, als er mir das erzählt hat), ein Mächen aus Polen und zwei Amerikaner. Ray war sogar der jüngste, erst fünfzehn, aber sehr lustig. Der zweite war so die Verkörperung eines Stereotypen (so?), aus Idaho, glaube ich. Wir haben uns aber gut verstanden. Er hat sich aber geweigert, sich in Portugiesisch zu versuchen, da er erst zwei Wochen hier sei, und seiner Mom gleich alle Papiere überreicht. Sie schienen sich alle öfters zu treffen, da sie doch alle in der Nähe wohnen. Und erst dort haben sie übrigens alle Regeln und Verbote ausgeteilt. Ich würde sagen: etwas spät, gerade weil sie die Wichtigkeit (vor allem der drei Ds [wer jetzt an den Geschichtsunterricht vom Gross in der zehnten Klasse denkt, liegt falsch. Das waren 6 Ds]: drinking, driving, dating (oder drugs?). Und jetzt schreib ich das schon mit Abostroph [während ich diese entferne, hoffe ich, ich habe dieses Wort wenigstens einmal richtig geschrieben], soviel dazu) so betont haben.
Und ich fühle mich etwas desorientiert und unvorbereitet (nicht dass mir irgendein anderes Gefühl vertrauter wäre), denn die anderen haben bereits ein Jahr vorher mit den Vorbereitungen für ihren Auslandsaufenthalt angefangen, ihren Blazer besorgt und sich Visitenkarten gedruckt, während ich von keinem dieser wichtigen Dinge erfahren habe, bevor ich bereits mitten im Austausch war. Ich war noch nicht einmal dort. Aber das werde ich nachholen. Kein Problem.
Die Stadt ist etwas sehr Besonderes, nämlich die Doppelstadt Livramento / Riveira. Im Herzen der Stadt liegt der „Internationale Park“, der eine richtige Ländergrenze ist: Livramento liegt in Brasilien, und der Park ist das Tor zu Uruguay. Die Leute hier verstehen sowohl Portugiesisch als auch Spanisch und sind sehr weltoffen, habe ich mitbekommen. Perfekt!  
Am Abend haben wir uns dann in einem uruguayanischen Lokal (aber draussen) getroffen und sind dann ein bisschen durch die Strassen der Stadt gezogen. Sehr städtisch, aber wie überall etwas alt. Dieses wunderbare Flair.
Mit weiter war nichts mehr. Meine Gastfamilie in Livramento war die passendste, die man sich vorstellen kann. Aus keinem bestimmten Grund; ich hatte nur einfach den Eindruck, dass sie das gerne machen und richtig darin aufgegangen sind. Sie hat noch bis in die Nacht für diesen Test gelernt, nachdem ich beinahe in einer fremden Stadt mit den anderen gestrandet wäre. Aber die Mutter des etwas planlosen Amerikaners hat uns alle abgeliefert. Übrigens sind hier alle Städte so hügelig.
Am nächsten Tag früh um acht ein weiteres Rotary-Meeting, aber ich bin es langsam gewöhnt mich zu präsentieren. Also alle in einer langen Reihe aufgestellt gestanden, während uns etwa einhundert Leute ansehen, als wären wir völlige Exoten, und der Mann scheinbar nicht mehr aufhören will zu sprechen. Dann durften wir endlich unsere portugiesischen Sätze sagen und nach einer weiteren halben Stunde und einem exklusiven Foto-Shooting waren die Zoobesucher plötzlich verschwunden und wir allein. Also haben wir beschlossen, unter der Führung der wahrscheinlich einzigen beiden Mädchen in Livramento, die diesen Test nicht gemacht haben, nach Riveira hinüberzugehen, wo sich die „free shops“ befinden – riesige Läden, von denen alle ein buntes Wirrwarr aus Süssigkeiten, Elektronikgeräten, Fussballtrikots und Alkohol verkaufen, die aber tax-free sind, wie im Flughafen. Und deshalb: sehr billig. Die ganze Bevölkerung des Grenzlandes pilgert regelmässig dorthin um einzukaufen. Sehenswert, aber frühs um zehn etwas anstrengend. Bis um zwölf haben wir uns im „grünen Hotel“ (Verde Plaza; auf brasilianischem Boden. Mann, das fällt mir erst jetzt auf: wer kennt die Textpassage aus der Eidechsenfeier > ‚he went down south and crossed the border, left the chaos and disorder right there back over his shoulder. One morning he awoke in a green hotel with a strange creature groaning beside him. Sweat oozed from its shiny skin ...’? Aber das ist es.) eingefunden, um mit sämtlichen Rotariern sowie Englischlehrern als auch besorgten Eltern, mitfiebernden Freunden und Testwilligen zu Mittag zu essen. Und wir mussten wirklich nur essen, ohne uns zu präsentieren. Noch kurz zu diesen Tests: in Brasilien gibt es so viele junge Menschen, die ins Ausland wollen, dass sie hier einen Test machen – und vor allem bestehen – müssen; die meisten scheitern aber nicht am Englischen (was ich nach der Schule und Skill vermutet hätte), sondern am Wissen über Rotary. Das steht sehr im Gegensatz zu den unaustauschwilligen Deutschen.
Da sich also das Mädchen, mit dem ich hergekommen war, nicht weiter qualifizieren konnte, hätten wir eigentlich sofort aufbrechen müssen, doch ich konnte noch Bibi ausfindig machen, die weitergekommen ist. Bis um fünf hatte ich also noch mit den anderen inbounds. Desorganisiert und planlos wie immer sind wir dann – mein Gepäck hatte ich irgendwoher – in das Haus einer Frau gegangen und haben zu fünfzehnt oder so in einem winzigen Zimmer einen Film gesehen, bis Bibi fertig war und wir nach Hause sind. Wir mussten die offiziellen Strassen umgehen, wegen gewisser Zoll- oder Steuerbestimmungen für Klimaanlagen, aber abends waren wir hier.
Heute mittag sind wir aufs Land gefahren. Ihr Vater hat Kühe gekauft. Und auf dem Land gibt es noch richtige Ranchs mit richtigen Gattern und richtigen Cowboys. Ich nehme mal an (denkend an Lisas Hang zum amerikanischen Westen und allem was dazu gehört), es hätte ihr gefallen (ich denke an das Bild aus ... war es Spanien?). Er ist über den Zaun geklettert und hat mit ihnen etwas ausgemacht, dann haben sie sich auf ihre Pferde geschwungen, haben die Rinder aus dem Gatter getrieben und sie dann im Western-Stil über endlose Weiten irgendwohin geleitet. Hatten sie Lassos? Ich weiss es nicht mehr. Aber alles sehr authentisch. Und die Kühe stehen hier nicht im Stall und sterben, wenn sie sterben – hm, das eigentlich schon, aber sie stehen nicht im Stall. Die Gelände sind hier so riesig, dass man die Einzäunung schon lange nicht mehr sieht; wenn man irgendwo drin steht, sieht man nur vereinzelt Kühe bis zum Horizont. So weit verteilt. Man glaubt, die Weiden wären überhaupt nicht begrenzt.  Dann sind wir zurückgefahren, hierher. Und hier bin ich immer noch. Aber wer weiss für wie lange noch. Denn heute war:
GRE-NAL. Das ist das Ende der Zivilisation. War vielleicht jemand in Rom, kurz nach dem Endspiel am 9. Juli 2006? Von genau so was komme ich gerade zurück. Ich hole aus:
Die beiden rivalisierenden Teams, Grêmio und Internacional, spielen einmal pro Saison gegeneinander, logisch. Aber wenn sie das tun, steht ganz Rio Grande do Sul auf dem Kopf. Egal, einer wird gewinnen – im Extremfall auch zwei – und deshalb bereiten sich alle darauf vor zu feiern. Schliesslich hat Grêmio den Vorsprung von 1:0 (das schreibt man hier übrigens 1x0) gehalten und hat gewonnen. Und das war ein Aufruhr in der Stadt. Überall Menschen mit Grêmio-Trikots, Flaggen, Hüten. Autoschlangen, die sich durch die Innenstadt winden und von Soldaten geteilt werden, Hupkonzerte, tanzende Fans ...
Irgendwie sind wir nach Hause entkommen, wo wir schliesslich auf irgendetwas warten. Ich glaube darauf, dass die Pizzeria frei wird.

 

SYL.T

 

17.9.07 02:52


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