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BRASIL

Was alles passiert in den folgenden – bzw. jetzt schon angefangenen 6 Wochen - versuche ich festzuhalten. Irgendwann wird es mich wahrscheinlich interessieren. Nothing is as interesting as reviews of former times. Unless yourself.

Während ich noch versuche, mich mit der brasilianischen Tastatur vertraut zu machen, fang ich mal an. Vamos, c´est parti ...

Montag, 20. August 2007

Abends noch völlig unvorbereitet und orientierungslos bei Jacky im Wohnzimmer gesessen, irgendeinen Teil von diesem „Final Destination“-Mist geschaut, dabei nach Benzin gerochen und Tofiffee gegessen, aber kurz vor eins aufgebrochen, da der Felix dazu gedrängt hat. Also wieder rübergefahren ins kalte Neuherberg und noch ein bisschen Horrorfilm geguckt.

Der nächste Morgen: Den Koffer (!) innerhalb von zweieinhalb Stunden gepackt – dieses Ding war doch verdammt schwer und entgegen meinem Versuch, immer mit leichtem Gepäck zu verreisen. Ich weiss schon warum. Dieses Ding war dann schliesslich im Auto verstaut, neben ihrem riesigen schwarzen und dem pinken Monster, das drei oder vier Wochen vorher spät nachts in der Nürnberger U-Bahn ständig auf mich gefallen ist – wer erinnert sich?

Sogar Gastgeschenke gefunden. Mann oh Mann, ... Die Hürden und Hindernisse zwischenmenschlicher Beziehungen. Wie uns das aufhält. Und wozu? Es macht mich fertig. Sie waren jedenfalls sehr nett und es war noch schöner, meinen zukünftigen Gasteltern eine Freude machen zu können. Mit den Eltern ... ohne Geherze aus dem Haus gehen und irgendwann wieder kommen; aber ich glaube, dass ich mich seit neuestem so weit habe. Just because. Wo finde ich mich?

Der Flughafen in Frankfurt ist doch ziemlich nahe. Mein Vater hat früher immer einen Aufstand gemacht, das würde zwei (!) Stunden dauern, ... Doch man wird noch von ganz anderen Distanzen lesen. Den „River Main“ überquert, wie zuvor viele Male Montag morgen, und noch davor Freitag abends ( How strange perception can be – an essay on the followings of boredom). Das ist ewig her. Der Flughafen war ziemlich leer – naja, Montagabend ist eben keine Lieblingszeit, in der sich ... ins Flugzeug setzen und ab nach ... ja, wohin eigentlich? Den Strand von Mallorca? Nein, für zeitlose Kleingeister. Namibia? Mann, das alte Deutsch-Südwestafrika klingt so doch zu exotisch. Also: Dom.-Rep.. Ha, langer Flug, also weit weg von Europa, weisser Sandstrand plus Palmen plus Sonnenuntergang über dem Meer, also: SCHÖN!

Koffer runtergeschleift und zum Einchecken. Die freundliche Dame am Schalter hat zunächst den Eindruck erweckt, sie wäre noch nicht lange am Arbeiten und nicht darauf aus, ihren glücklich ergatterten Job gleich wieder los zu werden, als sie mir erklärt hat, unser Gepäck hätte beides Übergewicht – ihres nachvollziehbarerweise mit 66 Kilogramm, meines mit 23 Kilogramm. Aber was ist das? Die hilfsbereite Fluggesellschaft VARIG kann Fluggästen, die ihr Ticket in Deutschland erwerben, leider keine insgesamt 64 Kilogramm Gepäck erlauben, sondern nur 20. Ja wie, zwanzig für sechs Wochen? Da möchte ich einige Bekannte von mir sehen, nicht zuletzt meine Begleiterin oder eine Referendarin aus Würzburg. Die Dame zeigte sich dann doch kooperativ (hat sie ein Gesichtsfarbenwechsel von weiss nach rot aus Empörung über diese himmelschreiende Ungleichbehandlung vielleicht beeindruckt?) und erlaubte mir die 3 Kilogramm Übergewicht. Sie hatte vielleicht doch mehr zu sagen, als ich zunächst angenommen hatte.

Später: Verabschiedung. Wozu? Frankfurt by night (nach Roma, Paris und Wien  wer erinnert sich an das Lied „il est cinq heures, Paris ... s´eveille“? Da kam doch der Pariser Sextourismus zur Sprache) aus dem Fenster einer Boening 767 (mit Sitzreihen in der Mitte. Wer kam damit vor nicht allzu langer Zeit aus den feuchten Südstaaten ins alte Europa? Auf den Spuren seiner Verwandtschaft? Wir werden sehen.).

 Nicht weiter interessant, denn es war dunkel. Ich habe aber den grossen Atlantik verschlafen, der so unheimlich war seit ich klein war, zu Zeiten von Halifax; erinnert euch?

Dienstag, 21. August 2007

Es war noch dunkel, als mich die zweite Seltsamkeit erwartete, und das um 5.30 Uhr. Der grosse internationale Flughafen von São Paolo empfängt die heimkehrenden Landsmänner und –frauen mit offenen Armen und ohne Warteschlangen, wohingegen die estrangeros zuersteinmal durch eineinhalbstündiges Anstehen auf den Boden zurückgeholt werden – im wahrsten Sinne. War auch ganz interessant, eine Holländerin auf dem Weg nach Bolivien zu treffen.

 Den Flughafen-Transfer haben wir auch gefunden, denn der Weiterflug nach Porto Alegre noch weiter im Süden ging vom Aeroporto de Congonhas. Eine augenöffnende und ziemlich wahre Fahrt von ausserhalb ins Zentrum einer achtzehn-Millionen-Stadt. Das Einzige, was die Hütten der Slumbewohner zusammenhält, ist ein Wunder. Kein Kleber. Den namenlosen Fluss, an dem wir entlanggefahren sind, würde ich selbst nach der Donau nicht durchschwimmen: er war wirklich schwarz, schwärzer ... Gefährliche Blasen stiegen daraus auf und vor den Zuflüssen staute sich der Schaum.

Note: es mag sich vielleicht etwas negativ anhören, aber so ist es nicht. Ich finde es ganz schön hier. Ein bisschen verrückt.

Wir haben den Flughafen mit zwei netten Brasilianerinnen errreicht, allerdings hat sich mein Eindruck vertieft, dass die Leute – vor allem die jungen – etwas kopflos sind. Das stösst mich manchmal fast in den Abgrund des Wahnsinns ( Arc de Triomphe; wem hab ich`s nicht erzählt?). Aber gut; andere Länder – andere Sitten.

Der Flug war toll, wir hatten kaum Wolken. Viele Felder usw. Die Brasilianer selbst nehmen das mit dem Übergewicht nicht so ernst, da hat mich Rê schon beruhigt. Ich habe dann zum ersten Mal ihre Familie getroffen. In Brasilien umarmt und küsst sich jeder. Ausserdem hätte ich nie gedacht, dass ich kleine Kinder mögen könnte; aber hey: ihren kleinen Bruder João (2) habe ich sofort ins Herz geschlossen. Impossible is nothing, haha.

Danach: eine lange Fahrt durch das brasilianische Hinterland. Etwa so, wie es der Lisa gefallen könnte. Mit staubigen miesen Strassen, alten Trucks an Texaco-Tankstellen (LIFE?) und mit Wüstenbüschen am Rand. Kuhherden, die die kahlen Sträucher abweiden. Schnurgerade Strasse, die scheinbar ins Endlose und direkt der Sonne entgegen führt. Einfach nur nach Westen. Hätte dir das gefallen? Ihre Familie ist auf jeden Fall nett. So eine Gastfamilie hätte ich gern in Cardiff 2003 gehabt. Erinnert ihr euch an die Streitereien? („When do you come back tonight?“ – „Er, we don't come back. We go back home today.” Mona? Fränz?) Es kamen noch am selben Abend (wie seltsam, dass es im August um 6 Uhr dunkel wird) viele Freunde und Verwandte vorbei. Noch mehr Umarmungen.

Mittwoch, 22. August 2007

Der Tag lief ruhig an. Sie ist ein bisschen in die Schule gegangen, dann wieder zurückgekommen. Nachmittags war Sport angesagt. Das läuft so engagiert ab wie Volleyball bei der Frau Böhm (ha, die oute ich gerne). Der Trainer, Mario, ist aber sehr nett. Der Sport fängt mit „P“ an und liegt genau zwischen Badminton und Tennis. Nach einer halben Stunde waren alle sehr fertig und konnten mehr oder weniger perfekt „Shukulateh“ sagen. (Ich glaube, das wird mein neuer Spitzname ... Buffalo Bill erinnert mich nämlich immer an den Typen aus „The Silence of the Lambs&ldquo.

Abends sind wir zu einem Karate-Verein gegangen, der nur ein paar Blocks weiter ist. Ich wurde schliesslich instruiert, mich da nicht hängen zu lassen und vielleicht mal was zu machen. Und sogar dort trinken sie Chimarrão.

> Ein tee-artiges Getränk, ein bisschen bitter. Es wird aus einem speziellen Gefäss mit einer Art Strohhalm und von jedem und überall in Santiago getrunken. Wir sind noch nie durch die Stadt gefahren, ohne dass ich irgendjemanden damit in der Hand gesehen hätte. Ein Nationalgetränk! Sogar die Schulsekretärin trinkt es hinter ihrem Schreibtisch. Und es ist heiss, sehr heiss. Aber göttlich! Wenn ich nach Hause fahre, muss ich unbedingt so was mitnehmen.

Der Trainer (2. Dan) hat mir erst mal erklärt, dass sie nicht so viel Kumite, dafür aber mehr Kata und Kihon machen. Na, das kommt einem doch bekannt vor! Ich hab aber nicht viel von ihm gesehen, da er die anderen nur korrigiert hat. Dabei aber kein Chimarrão.

Donnerstag, 23. August 2007

Mein erster Schultag am Colégio Medianeira. Die Schule beginnt hier um 7.45 Uhr, die Schulstunden dauern genau so lange wie in Deutschland. Aber ganz anders ist hier der Umgang Schüler-Lehrer: Sie umarmen sich oft und laut (sogar die Putzfrauen und die Direktorin) und sie bringen Kaffee und Becher mit. Ich glaube, ich bin der einzige in diesem Land, der keinen Kaffee trinkt. Aber stellt euch vor, die Bertlein käme statt mit ihrem Kassettenrecorder mit einer Thermoskanne für uns durch die Tür. Und wir würden sie freudestrahlend begrüssen mit „Oi, profi!“ ...

Es ist auch nicht im geringsten üblich, dem Lehrer zuzuhören. Als ich die Mädchen danach gefragt habe (es sind nur 4 Jungs in der Klasse, einer davon ist schwul), haben sie nur gelacht. Das macht man hier halt so. Ausserdem müssen sie eine Art Schuluniform tragen. Die Vorschriften werden in der Abschlussklasse aber nicht mehr so ernst genommen; es tragen alle diese Leggins bzw. Jogginghosen oder Pullis mit dem Schullogo drauf. An die Hosen muss ich mich noch gewöhnen ...

In den Pausen gibt es das wundervollste Essen (keine Schulkantine) überhaupt: brasilianischen Schokoladenkuchen und Pastello. Zu ersterem ist nur zu sagen, dass er sehr süss und klebrig ist und ein bisschen schwierig zu essen. Letzteres hab ich für mich entdeckt: eine Art gebackener Teig (ich kenne mich wirklich nicht aus beim Kochen, ich bin noch bei Lektion 1: „Wie schiebe ich die Fertigpizza in den Ofen?“ – Wer langt sich jetzt an die Stirn?) mit allem Möglichen drin. Ha, ich liebe Überraschungen!

Nach der Pause wird die Zeit ausgenutzt, bis der Lehrer kommt. Ich möchte nie wieder einen Bomhard-Schüler hören, der sich über die verdammte Klingel in Uffenheim beschwert. Das Signal hier ist eine Alarmsirene und ich denke jedesmal, es ist ein Feuer ausgebrochen. Die Schüler tanzen und singen im Klassenzimmer („stupid songs from North-East&ldquo in einer Lautstärke ... aber was soll`s, ich bin mittendrin, ich soll ihnen auf Französisch vorzählen und so weiter. Ziemlich cool („legal&ldquo.

Es sind nur fünf Schulstunden hier, Schluss ist um 11.55 Uhr und dann geht's nach Hause. Die Stadt ist sehr schön, auf eine bestimmte Art, sie erinnert an Süden und Hitze und manchmal fühle ich mich 100 Jahre in der Zeit zurückversetzt. Es gibt hier keine obligatorische Heizung unter dem Fenster, schliesslich wird es nicht so kalt. Im Winter sitzt man einfach am Feuer im Wohnzimmer zusammen. Ausserdem gehören die Pferdekutschen und Ochsenkarren einfach zum Strassenbild.

Dann haben wir erst mal zu Mittag gegessen: ihre Mutter kocht wunderbar! Wenigstens das kann ich ihr auf Portugiesisch sagen.

Ausserdem haben wir die Englischschule besucht, für die, die Englisch lernen wollen. Der Unterricht muss etwa so wie in Frankreich sein. Wir haben eine DVD gesehen, auf der immer derselbe Mann immer denselben Mist redet. Dieser wird dann veranschaulicht und vorgelesen: if clauses, reported speech etc. (Das erinnert mich an dieses furchtbar weisse Klassenzimmer in der 9. Klasse mit den Gummibärchen an der Decke. Und an den Peter und sein Waschbecken-Abenteuer. Insider, lacht, die Fontäne!) Die Lehrerin ist sehr nett und während der Stunde, in der wir résumés bewertet haben, lief daneben MTV Brasil. Aber warum nicht? Multi-Tasking wird viel zu wenig geschult, sonst müsste ich nicht immer stehenbleiben.

Abends sind wir noch mehr Verwandte besuchen gegangen, unter anderem ihren Opa, vor dem sie mich schon gewarnt hat: er hat nämlich einen Radiosender und wahrscheinlich müssen wir uns offiziell der ganzen Stadt vorstellen. Den grossen Club, in dem sie ihre 15-Party (jeder Jugendliche in Brasilien macht an seinem 15. Geburtstag eine riesige Party mit bis zu 500 (echt kein Scherz!) Leuten) gefeiert hat, und die Universität der Stadt. Am Rand der Stadt und immer dort, wo man das Land sehen kann, komme ich mir etwas verloren vor. In Deutschland leben wir alle so bedrängt, nicht nur in der Stadt, auch auf dem Land, jedes Stückchen Erde wird kultiviert und genutzt (was sollen wir mit dem ganzen Zeug?). Aber dort gibt es riesige verdorrte Flächen, die niemand braucht und einfach rumliegen. Ich komme mir vor wie auf einer Oase. Wie kommt alles dorthin? Der Blick ist „wahnsinn!“.

Freitag, 24. August 2007

Auch heute war ich in der Schule. Sowohl die erste Spanisch- als auch Portugiesischstunde meines Lebens und in beiden einen Test geschrieben. Dann den Computerraum benutzt und mir ein 2con-account zugelegt. (Ist das Gruppenzwang?) Dann war aus. Wenn ich da an die armen G-8ler denke ... hm, Un.M.?)

Nachmittags noch ein bisschen die Stadt angesehen und den kleinen João aus dem Kindergarten abgeholt. Seine Lehrerin war sehr verwundert, dass er Angst vor Clowns hat (die in Portugiesisch anders heissen, dabei war das doch bestimmt das erste englische Wort, das jeder von uns gelernt hat). Ist das nicht seltsam? Vor Clowns teilt sich die Menschheit in zwei Gruppen. Während zwar noch die grosse Mehrheit Clowns zum Lachen findet, gibt es doch auffallend viele, die sie nicht mögen. Keine Ahnung wie das früher war, heute mag ich die auch nicht. Die haben was Trauriges.

Ausserdem: das erste Karate-Training in einem brasilianischen Dojo. Ich habe meinen Gi in Deutschland vergessen, aber das macht nichts. Aber diese Gummimatten am Boden sind reiner Luxus verglichen mit unseren Holzböden, vor allem bei Liegestützen auf den Fäusten. Da gehen die Knöchel nämlich nicht nach innen. Das Kihon ging noch, Kata hoch bis Heian Godan. Das Bunkai wurde dann schwieriger. Ich glaube, wir haben noch nie das von der Heian Yondan geübt, und das dann auf Portugiesisch erklärt zu kriegen ... verdammt, ich verstehe sie nicht! Es hat ewig gedauert, bis sie mir verklickert haben, dass das mein T-Shirt ist! Aber wieso nicht? Ich erinnere mich an die Worte eines weisen Kickboxers: „Immer mal über den Tellerrand schauen!“. Abends: volles Haus.

27.8.07 14:26
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Lisa / Website (27.8.07 22:40)
Uuh, ich bin Insider!!

Hach, klingt das alles toll. Richtig eingeschätzt: Klingt nach genau meiner Landschaft. Staub und Leere. Allerdings warmer Staub... aber es ist ja Winter. Einigermaßen zumindest.

Karate-Training? Ey, du bist in Brasilien! Mach gefälligst Capoeira!! Oder geh wenigstens irgendwo zuschauen... ich will hören wie das so ist, im Ursprungsland. Büdde?

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