Startseite
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt

Webnews



http://myblog.de/jlt.morizuka

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Back again

Ich bin wieder zurück, muss aber noch irgendwann die Schriftfarbe ändern, die die Kessi bemängelt hat. Was ist in den letzten Tagen passiert, werden sich einige fragen, ...

Montag, 27. August 2007

 Hah, furchtbar. Ich war zu faul um irgendetwas zu tun ausser herumzuliegen und zwischendurch Mittag zu essen. Und von im Haus aus betrachtet unterscheidet sich Brasilien natürlich nicht gross von Deutschland oder Italien oder Frankreich (ausser dass es hier verdammt kalt innen ist und die Böden mit irgendwas chlorhaltigem geputzt werden // das erinnert mich an die Rutschen im Palm Beach). Aber sie ist zu ihrer Hüpfstunde (was man da macht weiss ich auch nicht, aber wie sollte man „Jumping Lessons“ sonst übersetzen?) ins Fitness-Studio gegangen. Ich weiss ja nicht, wie das in einer deutschen Stadt ist, aber hier geht jeder mehr oder weniger oft ins Fitness-Studio. Wir waren bis jetzt nur einmal da, um alle zu begrüssen, und das einzige, was permanent meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, war ein Verrückter, der die ganze Zeit auf seinem Laufband gerannt ist, ohne auch nur aufzublicken. Das war wirklich unheimlich. Vielleicht gehe ich mit zu diesen ominösen Jumping lessons, es könnte ja doch was Tolles und nicht Aerobics dahinterstecken.
Abends – alle schlafen ausser mir – klopft ein unheimlicher Schatten an der Tür. Mal abgesehen davon, dass ich erschrecke, wenn überhaupt jemand an eine Tür klopft (das bringt immer so eine kalte Russland-Atmosphäre mit sich, wo sie die Kisten von diesem angeblichen Vaterlandsverräter durchwühlen und ihn an die Wand stellen), war es hier. Es hat sich dann rausgestellt, dass es ihr Vater war, der erst von der Arbeit kam.

 

Dienstag, 28. August 2007

Wieder zu faul für die Schule, dafür nachmittags mit. Mehr oder weniger interessant. Dann bei Skill und zum ersten Mal in einer richtigen Academia. Ich glaube, manche Übungen sind genau stumpfsinnig wie die Leute selbst, zum Beispiel stundenlanges Joggen auf dem selben Fleck oder Walken ( ‚I’m fat, not crazy' ) auf dem Laufband. Andererseits ist anderes ganz lustig, ein bisschen Kraft kriegen für Tsukis und so weiter. Abends haben wir bei Marcia übernachtet. Es war verdammt kalt, obwohl ich direkt vor dem Ofen gestanden bin, bis meine Hose schon gekokelt hat. Shaking in the kitchen. Aber ich mag Käsebrote, der Teig dazu ist nämlich aus Käse, und diese seltsamen Pizze, die sie gemacht hat. Instant food ...!  Ich musste mir auch die DVD ihrer (Rês) 15-Party anschauen. Ich glaube, sie hat mein Staunen als Entsetzen gewertet, aber ich kann nicht anders: sie sind so klein und sehen aus wie auf einer Hochzeit ohne Bräutigam. Ziemlich traurig. Aber so viele Leute und der Aufwand und die Security. Das ist ?

 

Mittwoch, 29. August 2007

Wieder mit in der Schule. Sehr frühs. Nach einem perfekten Vollmond in klirrender Kälte nachts ein strahlend blauer Wintertag. Endlose Portugiesisch-Stunden. Ich hätte nie gedacht, dass es etwas langweiligeres gibt als die Deutschstunden beim Englmaier. Aber das ist es. Wenn man aber aufpassen will, nimmt man den Stuhl und setzt sich nach vorne. Sonst ist das gar nicht möglich.
Aber dann: Aus! Mittags war es sehr heiss, wärmer als ein August-Sommertag. Draussen gesessen und Chimarrão getrunken unter dem Orangenbaum mit seinen Blüten. Und: ihre Cousine (oder wie sie auch immer verlinkt sind), die ich schon am Sonntag getroffen habe, studiert irgendwas Soziales und kennt Kerouac. Ich sitze da und sie kommt und fragt mich (auf Englisch; sie sagt sie hat Englisch aus den Orginalversionen von Filmen gelernt), ob ich Jack Kerouac kenne, denn sie lese da im Moment ein Buch, das hiesse „On the road“! Mich! Fragen! Ob! Ich! Kerouac kenne! Und die Beat Generation! Verdammt, das ist das erste Mal, dass ich jemanden treffe, der nicht nur von ihnen gehört, sondern sie auch gelesen hat. Ginsberg, Bourroghs, Corso. Ha! Es fasziniert sie anscheinend, obwohl sie noch nicht ganz durch ist. Dann hat sie mir von einem Freund von ihr erzählt. Und zwar, weil ich sie nach den Schienen unten in der Stadt gefragt habe, auf denen höchstens einmal pro Tag ein Güterzug vorbeifährt. Langsam. Personenzüge fahren hier schon lange nicht mehr. Und der Freund, der jetzt in Buenos Aires studiert, hat doch wirklich zwei Kumpels eingepackt und ist mit ihnen zu einem Zugstopp gegangen und hat den Lokführer gefragt, ob sie mitfahren dürften. Auf diese Weise – und mit Anhalten – sind sie durch ganz Südamerika gereist. Diesen Zug ...
Nachmittags dann zu diesem mysteriösen Sport namens „Padel“, glaube ich jedenfalls. Ich bin gar nicht so schlecht, zumindest nicht im Vergleich zu den sportunlustigen Mädchen in Santiago; das ist noch chaotischer als der Schwimmunterricht bei Böhm & Co. Anstatt zum Fitness-Studio zu laufen – unserem nächsten Ziel; das ist doch kontraproduktiv, oder zumindest nicht fördernd – hat uns Mario im Auto mitgenommen. Auch dort wird übrigens Chimarrão getrunken. Dann nach Hause und wieder zu Karate. Ich hatte jedenfalls das Gefühl, etwas mehr zu verstehen als das letzte Mal. Ausserdem: Joh: hab ich herrausgefunden, warum ich nach dem Gyaku Zuki immer auf der Seite bin. Jetzt muss ich es nur noch umsetzen. Abends: Grêmio-Spiel im Fernsehen. Sie haben verloren, aber das macht nichts: erstens hat die rivalisierende Mannschaft, Internacional, auch verloren (für die Mächen) und es gab Negrinho (für mich). Ich hätte letzteres einfach mit Pudding erklärt, aber vielleicht tue ich den portugiesischen Köchen und ihrer furchtbar süssen Kondensmilch damt Unrecht. Also: Negrinho ist eine Mischung aus Kondensmilch, Butter und Kakao. Sehr gut, abends, vor dem Feuer.

Hm, und gestern? Wir haben abends bei Marcia und ihrer Schwester (die mich irgendwie an die Sylvie erinnert und mir gesagt hat, sie hat genau so ausgesehen wie ich als sie jünger war) Hotdogs gegessen. Das ist nicht zu verwechseln mit dem typischen amerikanischen Hotdog, den wir alle kennen und deren Imitationen wir in Deutschland kaufen können, sondern es ist eben ein brasilianischer: es ist etwa so wie Würstchen-Gulasch, das füllt man dann ins Brot, tut noch Mais und Ei und Oliven und Salat und noch viel mehr Dinge dazu und isst es dann. Für alle die, die zuerst an mehr oder weniger ansprechendes amerikanisches Fast food gedacht haben und jetzt enttäuscht oder gar angeekelt sind:--> ich bin vielleicht an einiges gewöhnt, Internatsessen und so, aber das ist gar nicht schlecht. Es schmeckt gut. Trotz meiner Abhärtung durch die Fertig-Ravioli vor den Ferien in Würzburg schrecke ich nach wie vor davor zurück, diese fleischfarbene Mischung aus Mayonnaise und Ketchup zu probieren.

Entgegen meiner Befürchtungen mussten wir nicht ihre DVD noch mal anschauen, sondern haben nur vor dem Feuer gesessen. Allerdings lief nebenher Big Brother Brasil, und da ich wenig verstanden habe von den Verwandten und Bekannten, über die sie gelästert haben, hab ich da zugesehen. Und im Hintergrund kam entweder dieser seltsame HipHop, oder die Broadcasterin (nein: Sprecherin) wurde ständig von dieser gepfiffenen Melodie begleitet, die mich an irgendeinen Massenmörder in einem Film erinnert. Ich bin mir aber nicht sicher, woher ich das kenne, ... Es hat jedenfalls genau denselben Effekt auf mich wie das Pfeifen als einziger Bestandteil der Filmmusik in diesem Fritz-Lang-Film von 1930. (Weisst du noch, Lisa, wie ich mal so erstaunt war, dass das für die Leute damals war wie ein aktueller Krimi.) Denn immer wenn dermit "M" markierte Kindermörder auftaucht, pfeift es. Uh-huh. Irgendwann sind wir nach Hause gefahren, durch die nächtliche Stadt.

Weiteres später, ich erfülle nämlich eine Tradition und bin der letzte beim Mittagessen ...

Ach ja: gestern nachmittag haben wir noch einen Film gesehen. Und zwar: einen deutschen! Und nicht irgendeinen deutschen, sondern Engel + Joe, oder "Christiane F. - Die Neue Generation", oder wie auch immer die deutsche Orginalversion heisst. Auf deutsch! Zuerst habe ich nicht mal etwas verstanden, aber nach einigen Minuten ging's dann. Jedem, der weiss, mit welcher Hingabe ich das Orginalbuch gelesen habe, und auch mitgekriegt hat, wie ich die Barbara nicht umstimmen konnte, diesen Film zu sehen, wird klar sein, dass ich diesen Film gern gesehen habe. Und der Anfang spielt genau an der Stelle, wo ich am 6.August gesessen bin und der Kameramann vom WDR zwangsweise 2 junge Punks interviewt hat (sie waren dann ziemlich verlegen und wussten nicht, was sie sagen sollten) und ich von hinten im Bild zugesehen habe (also: falls ihr mal WDR seht, haltet Ausschau  ). Ausserdem schimpft man im brasilianischen TV nicht mit dem naheliegenden Wort "merda", sondern umschreibt dies mit dem gleichbedeutenden, für deutsche Ohren oder Augen etwas verwirrende "droga" (gerade bei diesem Film).

Mal sehen, was noch kommt: nach den endlos langweiligen Englischstunden in der Englischschule (wo wir nachher hingehen um den anderen austauschwilligen bei dem Ausfüllen ihrer Application zu helfen) werde ich heute dort selbst wahrscheinlich (oh nein> was für eine augenfeindliche Aneinanderreihung verschiedenster Adverbien) meine erste Portugiesischstunde haben. Irgendwann werde ich vielleicht verstehen, was um mich herum los ist.

Ach ja, Lisa: es ist ziemlich schwierig, zu schreiben, wie man etwas ausspricht, denn sonst würde man es ja nicht schreiben ... take it? Noch dazu sind meine phonetischen (du weisst schon: das furchtbare, jeden Französischschüler abschreckende Alphabet in den eckigen Klammern) Fähigkeiten begrenzt. Ich versuche es nicht. Auf jeden Fall wird das "J" gesprochen wie "sch", aber ganz leicht, wie das "s" in "désert", und das "ã" so wie das "er" am Ende von deutschen Substantiven, zum Beispiel in "Wasser". Im grossen und ganzen versucht man das "ã" so zu umgehen, wie wir für die Endungen der finnischen Substantive auf dieser Seite im Internet vorbereitet wurden. Du erinnerst dich? So leise werden ... //

Ferner hat mir ihre Cousine erzählt (dieselbe, die Kerouac liest), dass es bei ihr (sie lebt und studiert in Santa Maria (etwa 2 h von hier, also very near) am Samstag immer (oder nicht immer?) irgendein Showkampf oder Vorführung gibt mit Jiu-Jiutsu und Capoeira unter anderem. Vielleicht will dein bester Freund, Sgt. Murphy, dass ich genau dann dort auftuache, wenn das Ganze stattfindet. Wir werden sehen.

Und an alle, die am Montag in München waren und jetzt noch Milo-Verrückter sind als zuvor: ich freue mich schon auf Deutschland ...

31.8.07 13:24
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung