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Hm, ein neuer Eintrag, denn mein Brasilien-Aufenthalt geht langsam, aber sicher zu Ende (diese phrase ‘langsam, aber sicher’, woher erscheint mir das so vertraut? Klingt fast wie das permanente ‚last but not least’ vom Knörr, von dem ich bis heute nicht weiss, was er damit in der Englischstunde von uns wollte). Leider nicht so lange, denn Rê droht, sie muss lernen für einen schweren Chemie-Test morgen (wofür sie um 4 Uhr aufsteht, um dann um halb fünf Uhr mit den vielen Kannen Kaffee anzufangen und um 5 Uhr schliesslich mit dem Lernen, wie sie mir gerade im Hintergrund erklärt, während sie ihre Decke zusammenfaltet und ich hier schreibe. Und sie lässt dafür sogar die letzte Baile-Gelegenheit sausen. Denn heute ist die letzte traditionelle Gaúcho-Party, die es normalerweise nur in der Farropilha week gibt [so heisst jedenfalls zwischen mir und Rê die Woche, in der man seinen Staat feiert; die Leute hier nennen das wohl Semana Farropilha. Ja. Das sieht schon viel authentischer aus. Ausserdem fällt mir auf, dass mein Deutsch schon richtig schwerfällig wird. Nicht nur in den Fingern.], dieses Jahr aber noch 5 Tage länger, also bis heute nacht. Mehr dazu später.). Ich vermute ja, der Lehrer (der übrigens ziemlich gut ist, aber auf eine seltsame Weise) hat diesen nur angekündigt, um die streitlustigen Furien in der Klasse davon abzulenken, ein Mädchen zu traktieren, das heulend rausgelaufen war. Auslöser war irgendeine Vestibular (Universitäts-Eintritts-Test, aber mit Abi-Wichtigkeit-Status) –Informationsveranstaltung, auf der nur 5 aus der ganzen Klasse (einschliesslich MIR!) anwesend waren, während die anderen kurzerhand nach Hause gegangen sind. [Allerdings haben 4 (einschliesslich mir) das Weite gesucht, nachdem der Universitätsheini den Philosophie- bzw. Ethik-Vortrag den anderen zu langweilig, mir dagegen interessant, aber nur teilweise verständlich, rübergebracht hat. Dummerweise hatte ich das Rotary-Meeting am selben Abend vergessen, auf der die Organisatorin dieses Vortrages anwesend sein würde, die mich schon beim Aufstehen mit einem etwas empörten Blick bedacht hatte. Rê ist jedenfalls geblieben.] Wie auch immer, die streiten hier mit einer Lautstärke ...! Und nach dem, was ich dank meines sich allmählich vergrössernden portugiesischen Wortschatzes mitbekommen habe, auf ziemlich gemeine Weise. Und rauchen Papier-Zigaretten im Klassenzimmer („Wie die kleenen Kinner!&ldquo. Wie auch immer, wir gehen nicht auf den Ball, sondern sie lernt fleissig hinter mir.

 

Nun doch der Reihe nach. Am Dienstag abend waren wir, wie ich mich erinnere, zum Essen eingeladen, und die Leute haben mich unser Haus bei Google-Earth ranzoomen lassen. Sehr aufschlussreich, zumal das Bild immer noch dieses kraterartige Loch in unserem Garten zeigt (nicht mehr existent seit dem 21.06.04!). Mittwoch zuerst bei Karatê, dann gleich zum Abendessen mit einer kürzlich angekommen Verwandten/Bekannten/wasauchimmer, und noch später auf den Gaúcho-Ball. Als internationaler Botschafter der reichen Leute muss ich wenigestens ein Muster erfüllen. Am Anfang war’s nicht toll, aber ich hab einige nette Leute getroffen. Und diese Bälle (?) sind richtig traditionell und gefallen trotzdem den meisten. Die meisten Jungs tragen richtige Nationalkostüme; weite Hosen mit hohen Stiefeln und Hemden und manchmal Hüten. Ein bisschen wie Cowboys. Ich nehme an, der Lisa würde es in Brasilien gut gefallen. Dafür haben mir die Jungs gefallen. Dort wird auch zu richtiger Volksmusik getanzt. Sie gefällt mir; ziemlich ähnlich zu den Klostertaler Dreckspatzen, nur besser. Wahrscheinlich durch den Abstand, da man als Ausländer nicht von klein auf damit gequält wurde. Allerdings ist es den Jungs nicht gelungen, mir das Tanzen beizubringen. Das ist und bleibt einfach nicht mein Sport. Da haben auch die endlosen Tanzstunden (furchtbare Erinnerungen an Hesse & Mutti. Ach übrigens: war das eigentlich wirklich seine Mutti? Oder war das nur wieder unübersehbare Ironie, die ich übersehen habe?) nichts gebracht. Aber einer von ihnen draussen hat Englisch gesprochen (und sah aus wie Ringo und Joe. Ein bisschen Indianer) und die anderen ein bisschen, und ich ein bisschen Portugiesisch, und da ging das schon. Sehr cool. In Kleinstädten wie dieser bleibt aber auch nichts geheim.

 

Schliesslich mussten wir gehen, denn es war 5 Uhr – und um sechs mussten wir weg, auf den Weg nach Foz do Iguaçú. Das war eine Geschichte. Ich komme raus aus dem Haus, und da wartet eine ganze Autokolonne auf uns. 2 andere Familien und Mario mit seiner Freundin hatten sich kurz entschlossen, uns zu begleiten.

 

Ah, Argentina! Ich liebe dieses Land. Und trotzdem habe ich es nicht geschafft, eine Flagge aufzutreiben. Nach langen Stunden der Fahrt waren wir schliesslich angekommen und nach einer weiteren Dreiviertelstunde Fussmarsch über kilometerlange zerbrechliche Stege mit breiten Ausläufern des Riu Paraná (oder welchen reissenden Flusses auch immer) unter uns. Wir haben sogar einen Alligator gesehen und exotische Fische. Und dort gab es die lustigsten Schilder, die man sich vorstellen kann. Aber ich habe Bilder gemacht. Da kann man fast auf die Idee kommen, Touristen seien dumm. Schliesslich sind wir an ein Loch gekommen, wo das Wasser einfach runterfällt. Aah, Wasser, água, aqua, eau. Kann es etwas Besseres auf dieser Welt geben? Das ist ES.

 

Am nächsten Tag noch die rie(s)sige Staudamm-Konstruktion Itaipú gesehen. Sehr beeindruckend. Ausserdem in Paraguay einkaufen. Leider haben sie sich nur in einen grossen Store getraut, nicht in die Strassen. Denn Paraguay, einst ein reiche und aufstrebende Siedlung und deshalb von den umringenden immer noch von Kolonisten beherrschten Ländern im vorletzten Jahrhundert quasi dem Erdboden gleich gemacht, ist heute arm, sehr arm. Richtig perspektivenlos, wie in diesen Kinderdörfer-Prospekten. Am Ende. Auch hier Konsum-Tourismus.

 

Am Abend Bowling. Obwohl ich meinerseits ja Tontaubenschiessen bevorzuge (Achtung, Insider!, haha), habe ich Rê besiegt. Und doch hatte sie verdammtes Glück, denn die Kugel so auf die Bahn zu werfen ... hm, vielleicht tue ich ihr und ihren durch jahrelanges Training erworbenen Bowling-Kenntnissen damit Unrecht. Schliesslich habe ich das zuvor genau einmal gemacht.

 

Samstag früh nach Hause aufgebrochen (nach zweinächtiger einmaliger Aussicht vom Hotel-Balkon. Was für eine Skyline.) und 8 Stunden später angekommen. Ich glaube, ich kenne sämtliche Grenzbeamten in Argentinien. Mehr wenn ich zuhause bin. Das gehört nicht sichtbar. Und Uniformen. Und abends noch bei Kaká und Rafa (ihren Cousinen). Und dann war Frühling ...!

 

Sonntag dasselbe. Den Tag nicht auf dem Land verbracht, dass es aus Eimern geregnet hat. Am Abend Rafa und ihren Freund zur Busstation (alle fahren hier Bus, denn die Züge verkehren hier nicht. Ich kann dafür kein Wort finden) gebracht. Sie sind studieren gegangen. Aber diese südamerikanische Busstation mit der Kälte aussen und den Leuten, die sich darin um einen Bus drängen, der gleich abfährt, hat mich an diesen Film erinnert, mit Josué, dem kleinen Jungen, und der hässlichen alten Frau, die sich dann um ihn gekümmert hat, den ich in irgendeiner Nacht mal gesehen habe. Aber ich weiss noch genau, was ich währenddessen gezeichnet habe. Warum sie das getan hat, weiss ich nicht; aber sie sind ständig Bus gefahren durch weites Land in Amerika. Aber er hat, glaube ich, seinen Vater gesucht. Irgendwann Abendessem zuhause.

 

Montag ein weiteres Rotary-Meeting. Die Frau vom Nachmittag hat es mir doch nicht so übel genommen, wie ich angenommen hatte. Viele Fotos und Shows und Verabschiedungen und Reden und aufs-Essen-warten und Einladungen.

 

Heute morgen waren wir in einer Schule, um uns wieder einmal vorzustellen. Ich bin darin langsam richtig gut. Es ist wie bis zehn zählen. Und beim Rausgehen wollten die Kinder bis Jugenlichen alle Fotos mit mir machen. Und damit nicht genug: plötzlich hält mir ein Mädchen Zettel und Stift in die Hände und bittet mich um ein Autogramm. Die anderen haben sich gleich angeschlossen. Jetzt weiss ich, wie man sich fühlt, und verstehe, warum Stars, die ihren Fans bereitwillig so viele Autogramme geben, wie sie wollen, so gelobt werden. Krampf-in-der-Hand! Nicht zu fassen. Um es auf Portugiesisch auszudrücken: sou famosa! Endlich!

 

Nachmittags in der Schule, von dem ich schon erzählt habe. Und ich könnte schon anfangen zu packen, denn am Donnerstag abend (morgen!) gehen wir in Santa Maria Si besuchen, und da es auf dem Weg nach Gramado, das wiederum auf dem Weg nach Porto Alegre liegt, komme ich most likely nicht wieder hier zurück. Jetzt kommt also die letzter-Eintrag-Phase.

 

Einiges fehlt noch. Zum Beispiel ein Facharbeits-Thema.

 

SYL.T

Ach ja: für alle, die es nicht wissen und die es interessiert: die Kerwa ist am 20. Oktober. Bei uns natürlich.

26.9.07 05:27
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Lisa / Website (26.9.07 22:42)
Mooooooment - was genau meinst du mit "Weg nach Foz do Iguaçú" in Verbindung mit "Loch, wo das Wasser einfach runterfällt"?

Du willst mir jetzt nicht erzählen, dass du die Iguazú-Fälle gesehen hast, und sie als "Loch, wo das Wasser einfach runterfällt" bezeichnest?!

Oder überhaupt, dass du die Iguazú-Fälle (!!!) gesehen hast?!

Falls ja, dann bin ich jetzt ohne Zeifel der neidischste Mensch unter der Sonne und stürze mich bei nächster Gelegenheit in einen infinite abyss. :schluchz:


...wahrscheinlich freu ich mich aber trotzdem, dass du wieder kommst.

Lisa

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